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Am 14. Geburtstag nahm die Karriere ihren Lauf

Aus dem aktuellen SCHLUSSGANG (Rubrik Schwinger, Stefan Burkhalter): Nach 32 Saisons bei den Aktiven ist Ende 2021 Schluss. Stefan Burkhalters Laufbahn begann mit dem 14. Geburtstag als Jungschwinger im Schwingkeller in Frauenfeld. Der zweite ESAF-Kranz 2010 in seiner engeren Heimat in Frauenfeld und seine beiden Siege auf der Schwägalp wertet er am höchsten.
Auf der Schwägalp (im Bild hinten gegen Johann Borcard) fühlte sich Stefan Burkhalter besonders wohl. 2006 und 2010 siegte er beim Bergklassiker. (Foto: Lorenz Reifler)

Wenn man das Haus von Stefan Burkhalter im südlichen Teil des Seerückens, unweit vom Bodensee, betritt, wird einem schnell klar, wie lange dieser Mann schon im Sägemehl steht. Stabellen, gewonnen an Wettkämpfen aus der ersten Hälfte der 90er-Jahre, zieren seinen Haushalt. In der Tat ist es 27 Jahre her, seit Stefan Burkhalter 1994 in Nussbaumen seinen ersten Schwingerkranz herausschwang. Der Dinosaurier unter den Schwingern weiss es noch ganz genau: «Um den Kranz bezwang ich Toni Forster.»

Erstes Training in Frauenfeld
Genauso erinnert er sich an die Anfänge im Kurzholz. «Zum 14. Geburtstag erhielt ich ein Töffli und am gleichen Tag besuchte ich das Training im Schwingkeller in Frauenfeld, welcher zum Verbandsgebiet der Unterthurgauer gehört.» Weil es dort damals kaum Knaben hatte, sagte man zum Jüngling, er solle sich doch im Schwingkeller Weinfelden einfinden, um mit Gleichaltrigen trainieren zu können. Fortan schloss sich Burkhalter dem Schwingklub Ottenberg an. Als Burkhalter begann schwangen in seinem Kanton noch Namen wie Enrico Matossi oder Leo Schallberger. Zu seinen engsten Weggefährten gehört der gleichaltrige Simon Schild, ebenfalls ein Ottenbergler. Später kam Manuel Strupler dazu.

Der Thurgauer Fluch
Erstmals am eigenen Kantonalen mittun durfte er 1990 in Dussnang/Oberwangen. Seinen ersten Kranz erkämpfte er sich aber erst vier Jahre später. «Ich hatte schon vorher darum geschwungen, doch damals, 1994, fühlte ich mich reif für den ersten Kranz. Ich weilte mitten in der Rekrutenschule in Isone und rückte am Abend mit dem Kranz auf dem Kopf ein. Das hätte mir beinahe Arrest eingebracht.» 1996 in Schwanden folgte das erste NOS-Eichenlaub. Der nationale Durchbruch gelang ihm in der Saison 1999.

Insgesamt steht Burkhalter mittlerweile bei 18 Thurgauer Kränzen. Auf dieselbe Zahl kommt er am Nordostschweizerischen. An den Eidgenössischen war er schon neun Mal mit von der Partie. 1995 in Chur war nach vier Gängen Schluss. Drei Jahre später, 1998 in Bern, fehlte ihm das ominöse Vierteli. Welches das Schönste aller Eidgenössischen war, da braucht der Turnerschwinger nicht lange zu überlegen. «Frauenfeld. Zum einen, weil es unweit meiner Heimat stattfand, und zum Zweiten, weil ich nach 2001 (in Nyon) mein zweites ESAF-Eichenlaub erschwang.» Obwohl zweifacher Eidgenosse und Bergkranzfestsieger, ein Sieg am eigenen Kantonalen fehlt ihm noch. «Das ist wie ein Fluch. Ich war unzählige Male Zweiter.» 2001 in Wigoltingen  war er wenige Sekunden vor dem Sieg als lachender Dritter, ehe sich im Schlussgang Christian Vogel gegen Markus Thomi in den Schlusssekunden doch noch durchsetzte. 2000 in Tobel bestritt er den Schlussgang gegen Peter Oertig, der gestellt ausging. «Zum Glück ist  Samuel Giger 2018 in Lengwil für mich eingesprungen und hat den ersten Sieg eines Thurgauers seit 29  Jahren realisiert», vermerkt er schmunzelnd.

Was Burkhalter auch auszeichnet, waren die überdurchschnittlich vielen Besuche von Rangfesten. Sein Motto lautete stets, «ein Rangschwinget ersetzt ein Training.» Auch wollte er dadurch den Zuschauern etwas zurückgeben. «Dies wurde allseits geschätzt», betont er.

Unklar wann und wo
Bei normalem Verlauf wäre in diesem Jahr in Mühlheim, einem Nachbarsdorf seines Betriebes, das Kantonale angestanden. «Dies wäre der ideale Ort gewesen, um abzutreten.» Corona hat dem einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nun hat er festgelegt, dass Ende Saison Schluss ist. «Der Aufwand auf dem Betrieb wird nicht weniger.»

Sein ürsprünglicher Ansporn war, ab der Saison 2019 gemeinsam mit seinem Sohn Thomas Wettkämpfe zu besuchen. «Darauf freute ich mich riesig. Meine Laufbahn neigt sich dem Ende zu. Durch den kompletten Ausfall der Saison 2020 habe ich ein ganzes Jahr dieser gemeinsamen Zeit mit meinem Sohn verloren. Thomas Burkhalter wird in Kürze die Lehre als Landwirt abschliessen. Er wird danach auf dem elterlichen Hof, einem Milchwirtschaftsbetrieb, einsteigen. So ist es vorgesehen. Aktuell ist der 47-jährige Vater mit einem Anbau, einer Werkstatt, zusätzlich beschäftigt.

Familienintern trainiert
Im Kanton Thurgau befindet man sich schwingerisch in einer erfreulichen Situation. Allein bei den Ottenbergern sind drei Eidgenossen aktiv. «Ich freue mich an den Erfolgen unserer jungen Schwinger.» Der schwingerischen Pause hat «Burki» auch etwas Gutes abgewonnen. «Ich setzte mich regelmässig auf den Töff, ging mit meinem Hund laufen und mit Drohnen schaffte ich mir ein neues Hobby an.» Und Schwingtrainings gab es in Homburg (trotz Corona) immer. Einfach familienintern zwischen Vater und Sohn. Im Moment noch mit den bessern Karten für den Senior. 

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Im Artikel erwähnt: 

Jakob Heer

Redaktion

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