Der 100. Kranzgewinn als letztes grosses Ziel

Aus dem aktuellen SCHLUSSGANG (Rubrik Schwinger mit Christoph Bieri): 99 Kranzgewinne und 22 Kranzfestsiege zeugen von einer grossartigen Laufbahn. Ein letztes sportliches Ziel hat Christoph Bieri aber noch in Griffnähe. Was danach folgt, lässt der Aargauer noch offen.
Der Start ins Eidgenössische Schwingfest verlief für Christoph Bieri (rechts) mit dem Sieg gegen Schwingerkönig Arnold Forrer nach Mass. (Foto: Tobias Meyer)

26 Jahre hat sich Christoph Bieri bereits dem Schwingsport verschrieben. Schwingen wurde dem Aargauer sozusagen in die Wiege gelegt. Sein Vater Max war während seiner Aktivzeit ebenfalls ein starker Schwinger. Sohnemann Christoph konnte bereits in frühen Jahren seiner aktiven Schwingzeit schöne Erfolge feiern. So sind die drei eidgenössischen Kränze 2007 in Aarau, 2010 in Frauenfeld und 2013 in Burgdorf, die beiden Weissenstein-Siege 2010 und 2014, die Nordwestschweizer Teilverbandssiege 2012 und 2013 sowie 18 weitere Kranzfestsiege an Kantonalanlässen nur ein Teil des grossartigen sportlichen Palmares des als Geschäftsführer tätigen Aargauers.

«Erfolge machen süchtig»
Schon bei den Jung- und Nachwuchsschwingern war das schwingerische Talent von Christoph Bieri ersichtlich. Und so überraschte es nicht, dass er schon vor seinem 18. Geburtstag die ersten beiden Kranzgewinne realisierte. Nach dem ESAF 2004 in Luzern professionalisierte der gelernte LKW-Mechaniker sein Training und wurde von Jahr zu Jahr stärker. Zwischen 2006 und 2016 gewann er jedes Jahr mindestens ein Kranzfest. Zudem realisierte er an jedem Teilverbands- und Bergkranzfest mindestens einen Kranzgewinn. «In dieser Zeit habe ich dem Schwingsport alles untergeordnet», sagt er und ergänzt: «Erfolge machen süchtig. Je mehr man investiert, desto mehr Erfolg ist auch möglich.»

Schon in diesen erfolgreichen Jahren war Christoph Bieri aber nie ein Ja-Sager. Hat ihm etwas nicht gepasst, hat er dies, wenn nötig auch öffentlich, kundgetan. «Es wäre schon wünschenswert, wenn im Schwingsport offener und direkter kommuniziert würde. Man soll doch etwas sagen können, wenn man selber betroffen ist.» Diesbezüglich würde er rückblickend auf die vergangenen Jahre auch alles wieder so machen, auch wenn «ich mir manchmal wünschte, dass ich meine Emotionen besser unter Kontrolle gehabt hätte. Das hat mich sicherlich auch Energie gekostet.»

Jubiläum im Visier
Noch aber möchte Christoph Bieri nach vorne schauen. Sportlich hat er mit dem Gewinn des 100. Kranzes ein spezielles Jubiläum im Visier. Er wäre der erst 29. Schwinger in der Geschichte, der 100 oder mehr Kranzgewinne vorweisen könnte. «Dieses Ziel hätte ich mir eigentlich schon für 2018 oder 2019 vorgenommen, doch es wollte nicht klappen.»

Durch die aktuelle Coronasituation hat sich bei Christoph Bieri dieses Ziel auf 2021 verschoben. «Im Moment habe ich den 100. Kranz im Auge. Wenn ich das Ziel erreicht habe, weiss ich noch nicht, ob ich die Saison zu Ende schwinge. Das hängt auch davon ab, wie es mir gesundheitlich geht.»

Bis zum coronabedingten Saisonabbruch trainierte Bieri zwei Mal in der Schwinghalle und weitere zwei bis drei Mal im polysportiven Bereich. «Nach der Absage der Nordwestschweizer Kranzfestsaison habe ich bewusst abgeschaltet. Weil die Pause nun länger ist, kann ich mir aber vorstellen, bereits im September wieder ins strukturierte Training einzusteigen.»

«Dränge mich nicht auf»
Im Gespräch mit Christoph Bieri ist anzumerken, dass ihm der Schwingsport sehr am Herzen liegt. Seine Art und Weise, sein Wissen, aber auch seine Fähigkeiten würden für eine Funktionärslaufbahn im Schwingsport sprechen. «Ich sage nicht grundsätzlich Nein, denn ich will dem Schwingsport auch etwas zurückgeben. Aber ich dränge mich nicht auf.» Wenn der dreifache Eidgenosse eine Funktion annehmen würde, dann «nur wenn die Aufgabe und das Team darum stimmen». Aufgrund seiner kritischen Art, wie er es selber umschreibt, kann er sich derzeit allerdings nicht vorstellen, dass seine Dienste als Funktionär gefragt sind. So oder so, dem Schwingsport ganz den Rücken zudrehen wird Christoph Bieri sowieso nicht.

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Im Artikel erwähnt: 

Manuel Röösli

Redaktionsleitung

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