EJSF Appenzell mit zwei Teilnehmern mehr

Aus dem aktuellen SCHLUSSGANG (Rubrik Anschwingen): Seit den grossen Erfolgen von Auslandschwingern sind einige Jahrzehnte vergangen. Das Bestreben ist gross, dass sich dies bald wieder einmal ändern könnte. Um Erfahrungen zu sammeln, nehmen zwei aus diesem Kreis 2021 in Appenzell teil.
Die Gebrüder Jacob Schallberger (links) und Clint Schallberger (rechts) besuchten im Sommer 2019 diverse Schwingfeste in der Schweiz. (Foto: Pascale Alpiger)

Anfrage, Diskussion, Zusage. So einfach kann es manchmal gehen, insbesondere auch im Schwingsport. Dank der Anfrage des Schwingerverbandes in den USA (West Coast Swiss Wrestling Association) werden am 5. September 2021 am Jubiläumsschwingfest 125 Jahre Eidgenössischer Schwingerverband auch zwei Gästeschwinger aus dem Ausland teilnehmen. Neben einem Vertreter der Amerikaner wird auch ein Kanadier in Appenzell am Start sein.

Selektion durch Verbände
«Der Zentralvorstand wurde aus den USA schriftlich angefragt. Der ZV hat diese Anfrage geprüft und einen positiven Bescheid gegeben», erklärt Rolf Gasser, Leiter der ESV-Geschäftsstelle, auf der Verbandswebsite. «Die Selektion ist Sache der jeweiligen Verbände.» Das heisst, für den USA-Vertreter wird die Selektion die West Coast Swiss Wrestling Association vornehmen. Der Kanada-Vertreter wird über den Club de lutte Suisse du centre du Québec vorgenommen.

«Das ist wunderbar. Wir danken dem Eidgenössischen Schwingerverband für die Zusage, dass einer unserer Schwinger teilnehmen darf. Wir schätzen es sehr, ein sportlicher Bestandteil vom Jubiläumsschwingfest zu sein. Ich kann schon jetzt versprechen, dass unser Schwinger, welcher die USA vertreten wird, bereit sein wird», sagt Joseph A. Ming, der Präsident der West Coast Swiss Group, welche die Schwingfeste an der amerikanischen Westküste jeweils organisiert. Auch aus Kanada wurde die frohe Botschaft mit Freude aufgenommen.

Nicht nur Schwingen
An der Westküste der USA wird der Schwingsport in drei Bundesstaaten regelmässig ausgetragen (Oregon, Washington und Kalifornien). Rund zehn Schwingfeste finden mehr oder weniger jährlich statt. Dabei geht es an diesen Tagen nicht nur um den sportlichen Wettkampf, sondern auch darum die schweizerischen Bräuche, Kulturen und Traditionen an der amerikanischen Westküste zu pflegen. «Die Schwinger, aber auch die Besucher der Schwingfeste, reisen jeweils hunderte, wenn nicht tausende Kilometer an, um beisammen zu sein und unter anderem den Schwingsport zu geniessen», sagt Urs Gwerder.

Gwerder ist einerseits der Vater von Aktivschwinger Dustin, aber andererseits auch seit Jahren pflichtbewusster Lieferant von Resultaten und Geschehnissen rund um den USA-Schwingsport für die Schwingerzeitung SCHLUSSGANG. Vor mittlerweile 27 Jahren wanderte der gebürtige Muotathaler an die amerikanische Westküste aus und fand in Truckee im Bundesstaat Kalifornien seine neue Heimat. Und natürlich nahm er als zehnfacher Kranzschwinger den Schweizer Nationalsport mit ins Ausland. Neben seinen Kranzgewinnen, darunter auch der Innerschweizer Kranz 1987, stechen bei Gwerder die Siege am Basellandschaftlichen Schwingfest 1991 und am Morgarten-Schwinget 1987 heraus.

Jacob Schallberger mit Erfahrung
Weil Schwinger wie Gwerder den Schweizer Nationalsport mit ins Ausland nahmen, überrascht es nicht, dass die Nachnamen Schallberger, Widmer, Gwerder oder Betschart eher nach Schweiz tönen als nach USA. Jacob Schallberger, Steven Widmer, Dustin Gwerder und Andrew Stephen Betschart waren nämlich die vier USA-Vertreter, die 2019 in Zug am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest im Einsatz standen. Nachnamen haben sie alle schweizerische, aber spricht man mit ihnen, muss man des Englischen schon mächtig sein.

Es würde nicht überraschen, wenn auch einer aus diesem Quartett 2021 in Appenzell wieder zu sehen ist. «Wenn es so weitergeht, dürfte Jacob Schallberger die besten Chancen auf einen Startplatz in Appenzell haben. Er dominiert bei uns das aktuelle Geschehen», erklärt Verbandspräsident Joseph A. Ming. Wobei aktuelles Geschehen eher auf 2019 Bezug nimmt, denn auch in den USA ist im Moment aufgrund der Covid-19-Pandemie nicht an Schwingsport zu denken. Jacob Schallberger war in Zug am ESAF auch der einzige der acht Auslandschwinger aus den USA und Kanada, der sechs Gänge mitschwingen konnte. Er möchte dereinst in die Fussstapfen von Dan Widmer, Al Ming und John Ming treten. Sie realisierten 1972, 1974 und 1977 die bisher einzigen Kränze an Eidgenössischen Schwingfesten von Auslandschwingern.

Thomas Badat mit guten Chancen
Bei den Kanadiern dürfte die Ausgangslage etwas offener sein. Aber auch hier scheint mit Thomas Badat, der am ESAF 2019 immerhin einen Gang gewinnen konnte, ein Schwinger herauszuragen. 2019 schwang Badat im Sommer zusätzlich neben dem ESAF einige Schwingfeste in der Schweiz. Dabei kam er am St. Galler Kantonalschwingfest in Widnau dem Kranzgewinn sehr nahe, fehlte doch am Ende der berüchtigte Viertelpunkt.

Neben Badat nahmen weitere Schwinger aus dem Ausland an verschiedenen Kranzfesten teil, aber in die Nähe des Kranzgewinnes reichte es keinem anderen mehr. Der letzte Auslandschwinger, der in der Schweiz zu Kranzehren kam, war 2015 am Schaffhauser Kantonalschwingfest der Amerikaner Frank Kaech.

Vorfreude auf 2021
Neben einer möglichen Teilnahme am Jubiläumsschwingfest vom ESV wartet auf die amerikanischen Schwinger 2021 ein weiterer Höhepunkt. «Wir dürfen auch ein Jubiläum feiern. Und zwar hat das Imperial-Valley-Schwingfest im April 2021 seinen 100. Geburtstag. Wir machen eine grosse Feier mit vielen geladenen Gästen und würden uns natürlich freuen, wenn auch der eine oder andere aus der Schweiz anreisen würde», sagt Joseph A. Ming.

Auf einen sportlichen Kampf um das Ticket nach Appenzell freuen sich auch die Kanadier. Sie tragen jährlich jeweils bis zu vier Schwingfeste im Raum Québec aus. Neben der US-Westküste und dem kanadischen Québec gibt es im Moment keine weiteren Flecken auf der Kugel, an denen der Schwingsport regelmässig ausgetragen wird. Früher gab es an den Schwingfesten auch Schwinger aus Südafrika, Australien oder Neuseeland, aber organisierte Verbände gibt es dort bis anhin noch nicht oder nicht mehr.

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Im Artikel erwähnt: 

Manuel Röösli

Redaktionsleitung

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