ESAF Fokus (Teil 18): Historie 1861 bis 2010

In 2 Tagen wird in Burgdorf das ESAF-Festgelände eröffnet. Das führende Fachportal vom Schwingsport, SCHLUSSGANG.CH, wird ab dem 5. August täglich an den Wochentagen in einer Serie auf den Saisonhöhepunkt einstimmen. Heute: Teil 18.
Zwei Schwinger, die fünf Königstitel vereinigen: Karl Meli (links) und Rudolf Hunsperger.

1961 in Zug begann die Ära des Winterthurer Turnerschwingers Karl Meli. In einem rein zürcherischen Finale bezwang er den Oberländer Hünen Karl Oberholzer. Meli setzte neue Massstäbe im Schwingsport.

Auch drei Jahre später in Aarau hiess der Schwingerkönig Karl Meli. Dem Luzerner Alois Boog gelang es  im Schlussgang nicht, Meli zu stoppen. Meli dominierte lange Zeit das Geschehen im Sägemehl nach Belieben. Viele seiner Erfolge sind vermutlich für die Ewigkeit. So gewann Meli neun eidgenössische Kränze.

Ein Rekrut bodigte Meli
1966 in der Hitze von Frauenfeld   war Karl Meli erneut der grosse Favorit. Doch in einer der grössten Überraschungen der Schwingergeschichte musste sich der zweifache König dem 20-jährigen Berner Rekruten Ruedi Hunsperger beugen. Die Schwingerwelt stand Kopf.

Während sich Melis beste Zeiten  dem Ende näherten, begann jene des Berner Mittelländers und der «Berner Bären» im allgemeinen. Hunsperger verteidigte seinen Titel 1969 in Biel mit acht Siegen und   79,25 Punkten. Im Anschwingen traf Hunsperger erneut auf Meli, der Berner startete gegen den zweifachen König seinen Triumphzug. Sein letzter Gegner im Schlussgang war sein Verbandskamerad Hans Stucki. Allerdings war Hunspergers Vorsprung auf Stucki so gross, dass  der Koppiger selbst bei  einem Triumph über Hunsperger ihn gar nicht mehr vom ersten Platz hätte verdrängen können. 

Schneefall im Jura
1972 in La Chaux-de-Fonds konnte Hunsperger infolge eines Trauerfalls in der Familie nicht teilnehmen. Den Titel behielten die Berner in ihren Reihen. David Roschi setzte sich an einem denkwürdigen Eidgenössischen durch. Denkwürdig darum, weil es im Jura schneite. Der zähe und schwingkundige Berner-Oberländer besiegte im Schlussgang, wieder in einem reinen Berner Duell, den Seeländer Karl Bachmann. 1974 im Talkessel von Schwyz kehrte Ruedi Hunsperger eindrücklich zurück und eroberte seinen dritten Königstitel. Den Status, dreimal zum König gekürt, behielt er lange Zeit als einziger Schwinger. Wie bereits an den zwei vorangegangenen Eidgenössischen standen sich zuletzt zwei Berner gegenüber. Fritz Uhlmann musste die Überlegenheit Hunspergers anerkennen.  

Berner Ära zu Ende 
Erst in Basel nahm die Ära der Berner ein Ende, die Nordostschweizer rückten nach 13 Jahren Unterbruch zurück auf den Thron. Der  Winterthurer Arnold Ehrensberger war es, der in einem reinen Ostschweizer Schlussgang den Rheintaler Peter Steiger besiegte. Ehrensberger war der Beste, Steiger entzückte das Publikum mit seiner Technik. 

1980 in St. Gallen dominierten die Nordostschweizer Schwinger bei ihrem Heimspiel nach Belieben. Der Appenzeller Ernst Schläpfer trat in die Fussstapfen von Arnold Ehrensberger, und dies in eindrücklicher Art. Schläpfer gewann alle acht Gänge, ein Kunststück, das vorher lediglich Max Widmer 1958 in Freiburg und Ruedi Hunsperger 1969 in Biel  zustande brachten. Im Schlussgang bezwang er den St. Galler Kurt Schneiter. Die ersten fünf Plätze auf der Schlussrangliste belegten allesamt Nordostschweizer. Mit 19 Kränzen feierten die Gastgeber  einen überschwänglichen Erfolg, derweil die Berner in der OLMA-Stadt eine Schlappe einfingen.    

Drei Jahre später in Langenthal doppelte Ernst Schläpfer nach. Mit zwei Gestellten gegen Ernest Schläfli und Johann Santschi startete der Titelverteidiger alles andere als optimal, doch in der Folge gewann Schläpfer alle sechs Gänge. Im Schlussgang musste sich auch der Berner Niklaus Gasser Schläpfers Aufholjagd beugen.

Langersehnte Erlösung
1986 im verregneten Wallis war Ernst Schläpfer meistgenannter Favorit auf den dritten Königstitel. Mit vier Siegen am Samstag legte er einen Traumstart hin. Doch am Sonntag musste Schläpfer gegen  Niklaus Gasser und Leo Betschart zwei Gestellte hinnehmen. Im Schlussgang folgte der endgültige Umsturz. Der für den Zuger Verband schwingende Aargauer Harry Knüsel bezwang Schläpfer und sorgte für den ersten Königstitel für den an den Aktiven gemessenen grössten Teilverband. Eine weitere Sensation folgte 1989 an einem der  schönsten Eidgenössischen aller Zeiten. Nicht der haushohe Favorit Eugen Hasler, der den Innerschweizern den zweiten Königstitel in Folge  hätte einbringen sollen, sondern der 18-jährige Lehrling Adrian Käser aus dem Oberaargau  holte sich die Krone. Dabei hatte Hasler nach sieben Gängen einen derart grossen Vorsprung, dass er gar nicht mehr von Rang eins zu verdrängen war. Durch den verlorenen Schlussgang Haslers fällte das Einteilungskampfgericht ein salomonisches Urteil. Käser wurde der Königstitel verliehen, Hasler im Rang 1b, der Titel des erstgekrönten. 

Erneut ein Appenzeller
1992 in Olten verteidigten die Berner den Titel. Silvio Rüfenacht trat die Nachfolge Adrian Käsers an. Im Schlussgang legte Rüfenacht den Nordwestschweizer Jörg Schneider auf den Rücken. Auf dem Armeegelände des Churer Rossbodens kehrten die Nordostschweizer auf den Thron zurück. Zwölf Jahre nach Ernst Schläpfer war es wieder ein Appenzeller, der für diesen Triumph verantwortlich war, Thomas Sutter 1995 in Chur. Ein umstrittener Kampfrichterentscheid entschied zugunsten des Innerrhödlers im Duell gegen Eugen Hasler. Der Ausserschwyzer war eine der auffälligsten Figuren im Sägemehl in den letzten 30 Jahren, doch die eidgenössischen Anlässe brachten «Geni» kein Glück.

Im altehrwürdigen Wankdorf-Stadion begann 1998 die Ära Jörg Abderhalden. Der 19-jährige Toggenburger bezwang im Schlussgang den Luzerner Kurzzüger Werner Vitali. Entscheidend zu Jörg Abderhaldens Triumph trug sein älterer Bruder Beat Abderhalden bei, dem es gelang, im siebten Gang dem Innerschweizer Favoriten Heinz Suter ein Unentschieden abzuringen. Heiss war es 2001 in Nyon am Genfersee, wo zwei Wattwiler Klubkameraden zum Schlussgang antraten.  Arnold Forrer entthronte Jörg Abderhalden. Forrer genügte ein gestellter Schlussgang nach sechs vorangegangenen Siegen. Entgegen früheren Jahren wurde der Königstitel, trotz eines gestellten Schlussganges vergeben.

Nordostschweizer Dominanz
Das Gleiche traf auch 2004 in Luzern ein. Auch auf der Allmend wollte zwischen Jörg Abderhalden und Thomas Sutter keine Entscheidung fallen. Jörg Abderhalden reichte der Vorsprung zum zweiten Königstitel. Drei Jahre später in Aarau war es erneut Jörg Abderhalden, der obenausschwang und so zu seinem dritten Titel kam. Nach zwei Schlussgängen ohne Entscheidung begeisterten Jörg Abderhalden und Stefan Fausch das Publikum im Schlussgang. Abderhalden behielt die Übersicht und bezwang  seinen Verbandskameraden.

Wachtablösung in Frauenfeld
Beim bis dato letzten ESAF 2010 wurde die Ära Abderhalden durch einen 20-jährigen Berner Oberländer beendet. Im fünften Gang, der das Volk in der Thurgau-Arena begeisterte, bezwang Kilian Wenger den dreimaligen König Jörg Abderhalden und legte den Grundstein zum ersten Königstitel der Berner nach 18 Jahren. Wenger war derart dominant, dass er bereits vor dem Schlussgang gegen Martin Grab als Festsieger feststand.

Die Serie "ESAF Fokus" wird am Donnerstag, 29. August, mit Teil 19 (Video Schwung/Favoriten-Zusammenfassung) fortgesetzt. Mehr Informationen rund um das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2013 gibt es auch im Dossier ESAF auf dem SCHWINGER-App sowie unter www.schlussgang.ch.

 
 

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