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Giger folgerichtig zuvorderst

Aus dem aktuellen SCHLUSSGANG (Rubrik Anschwingen): Der Kilchberger Schwinget bot feine Schwingerkost. Die mehrheitlich offensive Schwingweise macht Lust auf mehr. An der Spitze scheinen die Nordostschweizer endgültig die Berner Jäger Nummer 1 zu werden. Die Innerschweizer hingegen erlitten eine Enttäuschung.
Grund zur Freude: Kilchberger Sieger Samuel Giger (Mitte) auf den Schultern seiner Klubkollegen Domenic und Mario Schneider, Kilchberger Co-Sieger auf Rang 1b, Damian Ott, auf den Schultern seiner St. Galler Kantonskollegen Werner Schlegel und Marcel Räbsamen und Kilchberger Co-Sieger auf Rang 1c, Fabian Staudenmann, auf den Schultern seiner Mittelländer Gauverbandskollegen Severin Schwander und Michael Ledermann. (Foto: Lorenz Reifler)

«Es würde dem Schwingsport nicht schaden, wenn heute kein Berner gewinnen würde», sagte ein profunder Kenner der Schwingerszene aus dem Bernbiet am frühen Morgen des Kilchberger Schwingets. Nach vier Gängen sah es schliesslich so aus, als wäre der Berner Sieg bereits wieder Tatsache, doch ein verrückter und gar nicht nach dem Gusto der Berner verlaufender fünfter Gang stellte das Klassement wieder total auf den Kopf. Noch selten an einem Anlass mit eidgenössischem Charakter geschah dies in dieser Heftigkeit.

Giger mit Krönung
Der grosse Profiteur der verrückten Abfolge des fünften Ganges war Saisondominator Samuel Giger. Zuvor, im vierten Gang, schien der siebenfache Kranzfestsieger der Saison 2021 alle Chancen auf den Kilchberger Sieg verspielt zu haben. Im Duell mit dem defensiv eingestellten, aber keineswegs unfairen Lukas Renfer verzweifelte Giger mehr und mehr an seinem Gegner, je länger der Gang dauerte. Dass Giger in der Zwischenzeit der wohl beste Standschwinger geworden ist, steht ausser Zweifel. Dass der Thurgauer aber im Bodenkampf noch Luft nach oben hat, hat ihm der Gang gegen den Berner schonungslos aufgezeigt.

Giger war schnell klar, dass der Schlussgang nur noch mit fremder Unterstützung möglich sein würde. Diese Unterstützung gab es für ihn im fünften Gang und schliesslich auch von der Einteilung, die ihm den Vorzug für den Schlussgang gab, obschon Damian Ott einen gewonnenen Gang mehr auf seinem Notenblatt hatte. Im Schlussgang schliesslich fiel die Entscheidung trotz einer kurzen Schrecksekunde, als sich Kilian Wenger mit einem Kurz in eine gute Ausgangslage gebracht hatte, schnell. Giger wehrte den Angriff Wengers gekonnt ab, und nur kurze Zeit später war es der Thurgauer, der mit einem Kurz den siegbringenden Wurf zelebrierte.

Zwei Co-Sieger
Zum Quintett der führenden Schwinger nach fünf Gängen zählten auch der Toggenburger Damian Ott, der Mittelländer Fabian Staudenmann und der Oberländer Bernhard Kämpf. Während Ott Kämpf im Direktduell platt unter die Verlierer reihte und sich so den Co-Festsieg sicherte, musste Staudenmann gegen Samir Leuppi antreten und setzte sich dabei ebenfalls mit der Maximalnote durch. Bereits vor dem Schlussgang war also klar, dass es erstmals in der Geschichte des Kilchberger Schwingets mehr als einen Festsieger geben würde. Am Ende klassierten sich gemeinsam mit Kilchberger Sieger Samuel Giger Damian Ott auf Rang 1b und Fabian Staudenmann auf Rang 1c auf dem Siegerthron.

Berner Mannschaft überzeugt
Einmal mehr zeigte sich, dass der Teamgedanke im Kanton Bern nicht bloss eine Phrase ist, sondern konsequent umgesetzt wird. Das Paradebeispiel lieferte Lukas Renfer beim Gestellten gegen Samuel Giger ab. Auch sonst waren die Berner als Mannschaft wieder die klar stärksten Vertreter im Sägemehl. Den anderen Teilverbänden dürfte angst und bange werden, wenn sie daran denken, dass mit Schwingerkönig Christian Stucki ihr stärkster Vertreter verletzungsbedingt nicht einmal anwesend war.

Nordostschweizer zweite Kraft
Nicht nur wegen der Ausnahmekönner an der Spitze, sondern auch aufgrund der Breite hinter der Spitze haben die Nordostschweizer in der Zwischenzeit die Rolle als Berner Jäger Nummer 1 von den Innerschweizern übernommen. Auch beim NOSV fehlte mit dem Bündner Armon Orlik einer der besten Schwinger im Lande.

Mut, auch im Hinblick auf die Saison 2022, machen im Sog der beiden Sieger Giger und Ott die Leistungen der Routiniers Michael Bless, Roger Rychen und Tobias Krähenbühl sowie von Talent Werner Schlegel.

Grosser Pechvogel im NOSV-Team war Samir Leuppi. Ob ihm im fünften Gang der Sieg gegen Bernhard Kämpf womöglich zu Unrecht nicht anerkannt wurde, kann auch mit den Fernsehbildern nicht abschliessend geklärt werden.

Klare Niederlage
Nicht ohne Ambitionen reisten die Innerschweizer Schwinger an den Saisonhöhepunkt. Natürlich waren auch die Innerschweizer geschwächt durch Verletzungen, und ihr Leader, Joel Wicki, war offensichtlich noch nicht in der Verfassung seiner besten Tage, doch dies erklärt das mässige Abschneiden längstens nicht. Als einziger ISV-Athlet hatte Routinier Christian Schuler im fünften Gang noch Chancen auf den Einzug in den Schlussgang, doch der Schwyzer war trotz der einmaligen Chance auf die Teilnahme im Schlussgang vom Kilchberger Schwinget im fünften Gang gegen Schwingerkönig Kilian Wenger überraschend passiv.

NWSV und SWSV wie erwartet
Nicht mit der absoluten Spitze konnten auch die Nordwest- und Südwestschweizer mithalten. Den Südwestschweizern gelang aber, vor allem in Person von Romain Collaud, der später mit dem Schönschwingerpreis belohnt wurde, das Setzen von einzelnen Nadelstichen, wie es sich die Technische Leitung der Südwestschweiz im Vorfeld gewünscht hatte. Pech hatten die Romands mit der Verletzung von Benjamin Gapany im dritten Gang im Duell gegen Eidgenosse Domenic Schneider.

Während Andreas Döbeli ohne Sieg, aber mit viel Kampf und Siegeswillen nach vier Gängen aus dem Wettkampf ausschied, konnten alle weiteren Nordwestschweizer sechs Gänge bestreiten. Neben den Eidgenossen Nick Alpiger und Patrick Räbmatter, die je drei Siege feierten, überzeugte vor allem Oliver Hermann. Der als Ersatz für den verletzten Eidgenossen Joel Strebel nachselektionierte Teilverbandskranzer überzeugte mit einer reifen Leistung und konnte gleich zwei Eidgenossen bezwingen.

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Manuel Röösli

Redaktionsleitung

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