Johann Martin Engi: «Wir haben auf Leben und Tod trainiert»

In den 80er-Jahren führte im Nationalturnen kein Weg an den Bündnern vorbei. Im Sog von Hans Lüthi und Fritz Rietberger feierte Johann-Martin Engi auch auf den Schwingfestplätzen grosse Erfolge, darunter zwei eidgenössische Kränze...

Der in Tschiertschen aufgewachsene Johann-Martin Engi ging den «normalen Weg», wie er seinen Einstieg zum Sägemehlsport schildert. Sein Vater war Schwinger und brachte ihn im Alter von 14 Jahren in den Churer Schwingkeller. «Damals begann man nicht jünger», blickt Engi zurück. Von Beginn weg fand er mit Hans Lüthi, Fritz Rietberger, Urs Rettich, Andreas Ambühl und Mario John ideale Trainingspartner. Bald gehörte der Tschiertschener zu den besten seines Alters. Nach einigen Siegen bei den Junschwingern feierte Engi schon mit 18 Jahren in Chur seinen ersten Kranzgewinn.

Stetiger Aufstieg
Der Aufstieg des Turnerschwingers hielt an. Mit 21 Jahren gewann Engi das Bündner-Glarner zum ersten Mal. Ein Jahr später eroberte er in St. Gallen eidgenössisches Eichenlaub. Im achten Gang erreichte er gegen Josef Röösli seinen fünften Sieg. Damit totalisierte er just die nötige Punktzahl für den Kranzgewinn.
Dies war seine zweite Teilnahme an einem Eidgenössischen gewesen. In Basel hatte er als 19-Jähriger immerhin alle 8 Gänge bestritten. 1983 beklagte Johann-Martin Engi vor dem Eidgenössischen in Langenthal Pech. Nur zwei Wochen vor dem Saisonhöhepunkt musste er sich einer Meniskusoperation unterziehen. Entsprechend schied Engi nach sechs Gängen aus.

Stärkstes Jahr zum Abschluss
Mit nur 85 kg stand der Bündner Standschwinger meist körperlich überlegenen Athleten gegenüber. Dies führte zu zahlreichen Verletzungen. So renkte er sich einmal die Schulter und einmal den Ellbogen aus. «Ja, ich habe viele Wettkämpfe versäumt, weil ich verletzt war», erinnert er sich. Deshalb entschied er sich 1986, nach dem Eidgenössischen in Sion im Alter von erst 28 Jahren die Karriere zu beenden. «Das war der richtige Entscheid, denn dieses Jahr war mein erfolgreichstes», blickt der Bündner Kantonspolizist mit Genugtuung zurück.
In Sion krönte Engi seine schwingerische Laufbahn mit dem zweiten eidgenössischen Kranzgewinn. Dazu reichten vier Siege und drei Gestellte mit der Note 9,00. «Ich kämpfte immer offensiv, denn als Leichtgewichter war Angriff die beste Verteidigung», schildert er seine Einstellung. Entsprechend erhielt er bei gestellten Gängen meist neun Punkte.
Mit dieser Note im letzten Gang gegen den Nordwestschweizer Ueli Emch sicherte er sich auch in Sion den Kranz. Allerdings hatten beide Schwinger geglaubt, es brauche einen Sieg. Obwohl Engi mit abgerissenen Bändern am linken Mittelfinger kämpfte, hatte auch er den Sieg gesucht. Zum Schluss gabs für beide ein Happ-End.

Kilchberger Spitzenrang
Die wertvollste Klassierung auf eidgenössischer Schwingerebene erreichte Johann-Martin Engi 1984 am Kilchberger Schwinget. Dank eines Sieges über Niklaus Gasser stiess er auf Rang 3 vor. Gasser fügte ihm zwei Jahre später in Sion die einzige Niederlage zu.
1986 feierte Engi nebst seinem zweiten eidgenössischen Eichenlaub zwei weitere Kranzfestsiege. Er gewann das Glarner und das Bündner Kantonale. Im Schlussgang hatte ihm jeweils ein Gestellter gegen Trainingskollege Hans Lüthi genügt.

Starker Nationalturner
Gleichzeitig mit der Schwingerkarriere trumpfte Engi auch als Nationalturner auf. Zusammen mit Lüthi und Rietberger bildete das athletische Talent aus Tschiertschen während Jahren eine kaum bezwingbare Bastion. Zweimal sicherte er sich den Schweizer Meistertitel. An Eidgenössischen Nationalturntagen und Turnfesten musste er sich hingegen meist mit Rang 2 hinter Lüthi begnügen.
Das Geheimnis der Bündner Erfolge lag im gemeinsamen Training. «Das war eine glückliche Fügung», schildert Engi die Situation. «Im Training wollte keiner schwächer als der andere sein. Wir trainierten manchmal auf Leben und Tod.» Zum starken Team gehörten fünf Eidgenossen (Ambühl, Engi, Lüthi, Rettich und Rietberger). Hinzu kam, dass die Bünder für damalige Verhältnisse einen revolutionären Weg gingen und für das Krafttraining einen spartenfremden Spezialisten zuzogen.

Noch immer sportlich
Den Schwingsport verfolgt Engi heute aus der Distanz, besucht aber hin und wieder Schwingfeste. Sein grosses Hobby im Herbst ist die Jagd. Dazu treibt der Kripo-Vorsteher des Stützpunktes Davos regelmässig Sport auf dem Bike und den Skis.

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