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Kilchberger: Die ersten vier Anlässe

In den ersten vier Austragungen siegten zweimal die Berner, je einmal schwangen die Nordost- und Nordwestschweizer obenaus. Dreimal bedeutete der Kilchberger Sieg den Grundstein zum späteren Königstitel. Ständiger Begleiter war schon damals das Wetter.
Zwei Protagonisten des Kilchberger Schwingets: Werner Bürki (links) siegte 1932 vor den Toren Zürichs, Otto Marti setzte sich fünf Jahre später durch.

Als erster Kilchberger Sieger liess sich am 11. September 1927, auf dem Areal des Sanatoriums in Kilchberg, ein einheimischer Zürcher schultern – Fritz Hagmann. Das Wetter war damals nicht anders als bei den letzten drei Durchführungen (1996/2002/2008). 1200 Zuschauer verfolgten unter heftigem Dauerregen die Arbeit der 42 zugelassenen Schwinger. Bei der Premiere wurden acht Gänge geschwungen, die Schlussgangteilnehmer bestritten gar deren neun. Dies alles an einem Wettkampftag.

Hagmann dank Aufholjagd
Damals üblich, traf man im An- und Ausschwingen zweimal auf denselben Gegner. Nach einem Startsieg über Arnold Dubach teilte Hagmann die Punkte mit demselben Gegner. Gegen Ernst Kyburz setzte es in den Gängen drei und vier gar eine Niederlage und eine weitere Punkteteilung ab. Die erste Wettkampfhälfte verlief für Fritz Hagmann wenig verheissungsvoll.

Drei Siege in den Gängen sechs bis acht bedeuteten die Schlussgang-Qualifikation. Entscheidend waren die Siege im siebten und achten Gang gegen die dem Winterthurer körperlich überlegenen Jakob Woodtli und Hans Roth. Erst wurde Woodtil durch einen Hüfter und darauf Roth mit Innerem Haken auf den Rücken gelegt. Obwohl er nass war bis auf die Haut, fieberte das Publikum dem Schlussgang zwischen Fritz Hagmann gegen den Seeländer Fritz Jaberg entgegen. Hagmann konterte einen Schlunggversuch des Berners mit Kurz/Lätz und siegte mit der seltenen Punktzahl von 87,50.

Berner am Ruder
Fünf Jahre später war dem Anlass ein prachtvoller Spätsommertag beschieden. Allem voran schien für die Berner Athleten die Sonne. Werner Bürki aus Bern gelang es, erstmals für einen Berner Triumph zu sorgen, am prestigeträchtigen Anlass vor den Toren Zürichs. Bürki gewann alle sechs Gänge auf dem Gut ob Stocken, wo der Anlass ein neues Daheim fand. Im Schlussgang besiegte er Titelverteidiger Fritz Hagmann mit einem blitzschnell angesetzten Hüfter.

Zwei Jahre später holte Bürki  beim Heimspiel, dem Eidgenössischen in Bern, als amtierender Kilchberg-Sieger den Schwingerkönigstitel. 1940 in Solothurn wurde er gar zum zweiten Mal zum Schwingerkönig gekrönt. Triumphe am Hyspa-Schwinget 1931 in Bern und am Landesausstellungs-Schwinget 1936 in Zürich vervollständigten Bürkis Erfolgswelle in der 30er-Jahren.

Abgebrochener Schlussgang
1936 war es wiederum einem Berner vorbehalten, den Tagessieg zu bejubeln. Wie bei der ersten Austragung war es ein völlig verregneter Anlass. Der junge Otto Marti, Scheunen, stellte die Überraschung dar. Den Sieg verdiente er sich mit seiner technisch hervorragenden, zielbewussten Arbeit. So verblüffte er das Publikum unter anderem mit einem blitzschnellen Kurzsieg über Altmeister Fritz Hagmann.

Besondere Vorkommnisse bei der dritten Austragung: Marti stand gar nicht im Schlussgang, er war Profiteur von einem nach wenigen Zügen abgebrochenen, gestellten Schlussgang zwischen Jakob Woodtli und Georg Buchmüller. Das Kampfgericht entschied, da im Schlussgang wenig lief, das man nicht bis zu einer Entscheidung weiterkämpfen wollte und machte der faden Angelegenheit ein jähes Ende.

Auch Marti erlangte den Schwingerkönigstitel erst nach dem Kilchberger Triumph. 1940 in Solothurn triumphierte er gemeinsam mit seinem Kilchberger Vorgänger Werner Bürki. Noch eindrücklicher, an sämtlichen Wettkämpfen an denen Marti von 1939 bis 1943 antrat, siegte er.

Kriegsbedingter Unterbruch
Infolge des zweiten Weltkrieges fand die vierte Austragung erst 1946 statt. Peter Vogt entführte den Sieg vor über 5000 Zuschauern erstmals in die Nordwestschweiz. Vogt besiegte im Schlussgang Jakob Stiefenhofer. Den Grundstein aber legte er  zuvor mit Siegen über die beiden Schwingerkönige Otto Marti und Willy Lardon. Eine späte Genugtuung für den Baselbieter, wurde ihm doch ein Jahr zuvor in Bern der Königstitel nach gestelltem, passivem Verhalten im Endkampf gegen Willy Lardon nicht vergeben. So erlangte auch Peter Vogt wie zuvor Werner Bürki und Otto Marti erst im Anschluss an den Kilchberger Triumph Königsehren – 1948 in Luzern. 

Besonders hart für den Baselbieter: 1950 in Grenchen stand Vogt ein drittes Mal im Schlussgang eines Eidgenössischen, zum zweiten Mal nach 1945 wurde ihm nach einem resultatlosen Schlussgang gegen Walter Haldemann der Königstitel nicht zugesprochen

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