Lehren aus ESAF ziehen und Positives mitnehmen

Aus dem aktuellen SCHLUSSGANG (Rubrik Schwinger mit René Suppiger): Der Luzerner Sennenschwinger René Suppiger war eine der prägenden Figuren am ESAF in Zug. Doch am Ende musste er trotz vier Eidgenossen auf dem Notenblatt ohne Kranz nach Hause reisen. Jetzt blickt der 30-jährige, auch dank privatem Glück, positiv in die Zukunft und richtet den Fokus in Richtung ESAF 2022 in Pratteln.
Mit dem Sieg gegen Samuel Giger nahm René Suppiger (links) am ESAF in Zug entscheidenden Einfluss auf den Kampf um die Königskrone. (Foto: Tobias Meyer)

Was Haris Seferovic beim Fussball ist, war René Suppiger bei den Schwingern: «der Mann aus Sursee». Der Kultspruch von SRF-Sportreporter Sascha Ruefer bei Fussballspielen der Schweizer Nationalmannschaft kann mittlerweile nicht mehr auf Suppiger adaptiert werden. Der Sennenschwinger mit den körperlichen Gardemassen für einen Schwinger (1,89 cm und 102 kg) hat in Luthern im Luzerner Hinterland seine zweite Heimat gefunden.

Vaterglück im Februar 2020
Das private Glück mit seiner Lebenspartnerin Céline Häfliger wurde am 1. Februar 2020 mit der Geburt von Sohn Jaron um ein Kapitel reicher. «Es hat sich dadurch natürlich schon einiges verändert, auch bezüglich Prioritäten im Alltag.» Danach gerät Suppiger im Gespräch mit dem SCHLUSSGANG ins Schwärmen. «Es ist faszinierend, wenn man miterlebt, wie ein Kind nur aufgrund einer Körperbewegung oder einer Geste lächelt.»

Harte Momente in Zug
In solchen Zeiten, wenn der Surentaler das Beisammensein mit seinem Sohnemann geniesst, rückt auch das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2019 in Zug in den Hintergrund. Dieses Fest hätte ihm, wäre es nach dem Gusto des Lebensmittelingenieurs gegangen, den zweiten ESAF-Kranz seiner Laufbahn einbringen sollen. «Ich bin zufrieden mit meiner Leistung am Eidgenössischen Schwingfest und kann mir nicht vorwerfen, ich hätte zu wenig für den Erfolg gemacht.»

Und trotz dieser Zufriedenheit bleibt am Ende der Frust über den verpassten Kranzgewinn. «Das Resultat stimmt mit der Leistung für mich nicht überein. Es dauerte schon einen Moment, bis ich das Geschehene verarbeitet habe.»

Im dritten Gang hatte der Eidgenosse von Estavayer 2016 mit seinem Sieg gegen Königsanwärter Samuel Giger für einen Paukenschlag gesorgt. Dass er anschliessend für diesen Exploit mit einer überaus starken Gegnerschaft «bestraft» wurde, führte in der Schwingerszene zu eifrigen Diskussionen sowie hie und da auch für ungläubiges Kopfschütteln. Suppiger will das Positive mitnehmen und schaut schon jetzt in Richtung ESAF 2022 in Pratteln. «Weiter darüber hinaus blicke ich noch nicht.»

Bandscheibenvorfall 2018
Wäre der Wunsch von Suppiger, den ESAF-Kranz zu gewinnen, in Erfüllung gegangen, hätte dies einen tollen Abchluss einer über einjährigen Reise bedeutet. Diese Reise führte ihn über Frust, Unsicherheit, Gewissheit und sportliche Erfolge nach Zug.

Doch der Reihe nach. 2018 war die Enttäuschung gross, als René Suppiger am Luzerner Kantonalschwingfest in Hitzkirch schon nach dem Anschwingen den Wettkampf aufgeben musste. Aus der Enttäuschung wurde bald Frust, als sich herausstellte, dass der gelernte Metzger einen Bandscheibenvorfall vorwies. «Das war ein Tiefpunkt», blickt Suppiger auf diese Zeit zurück. «In diesem Moment war die Unsicherheit gross und es stellten sich verschiedene Fragen, unter anderem ob ich überhaupt nochmals auf diesem Niveau schwingen kann?»

Umso beruhigender war die Gewissheit mit den ersten Schwingtrainings im Herbst 2018, dass es mit dem Schwingsport weitergehen kann. Trotz der mehrmonatigen Wettkampfpause zeigte sich schnell, dass René Suppiger den Anschluss auch nach der Verletzung nicht verlor. Die Zahlen unterstreichen dies eindrücklich: sechs Kranzgewinne sowie drei Regionalfestsiege waren die sportliche Ausbeute 2019.

Leben genossen
«Nachdem im März die Trainings untersagt wurden, habe ich den Aufwand heruntergefahren und das Leben etwas genossen», wie es Suppiger auf seine sympathische Art und Weise ausdrückt. «Ich habe mich in dieser Zeit punkto körperliche Bewegung auf die Fahrradfahrten ins Geschäft sowie leichte Fitness-Übungen zu Hause beschränkt.»

Mittlerweile hat der Luzerner Sennenschwinger den Aufwand aber wieder etwas angehoben. «Das Ziel ist zwei Mal pro Woche zu schwingen und den Fokus auf die Technik zu legen.» An Wettkämpfe glaubt Suppiger in diesem Jahr nicht mehr. «Wenn es doch noch Anlässe geben würde, würde ich spontan entscheiden, ob ich antrete oder nicht.»

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Im Artikel erwähnt: 

Manuel Röösli

Redaktionsleitung

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