Schwingerkönig Glarner tritt zurück

Mit dem Berner Oberländer Matthias Glarner ist eine grosse Persönlichkeit vom Schwingsport zurückgetreten. Hauptgrund war die Gesundheit, wie der Schwingerkönig von 2016 betonte. Somit sind noch drei Schwingerkönige aktiv.
Matthias Glarner anlässlich der Medienorientierung in Hasliberg-Reuti. (Bild: Jakob Heer)

„Es gibt etwas mitzuteilen. Ich trete mit sofortiger Wirkung vom Schwingsport zurück.“ Mit diesen Worten begrüsste Schwingerkönig Matthias Glarner die Medienschar im Hotel Reuti in Hasliberg.

Ganz überraschend kommt sein Rücktritt nicht. Matthias Glarner wird im Dezember 34jährig. Sein Palmares umfasst total 116 Kränze, davon 4 eidgenössischer Prägung. Insgesamt feierte Glarner 14 Kranzfestsiege. Seinen ersten Kranz erkämpfe sich der Meiringer am Emmentalischen Schwingfest 2003 in Wasen. „Dieser bleibt mir genauso unvergessen, wie mein erster Brünig Kranz als 17Jähriger“, betonte Glarner.

Vier Eidgenössische Kränze
2007 in Aarau, 2010 in Frauenfeld, 2013 in Burgdorf und 2016 in Estavayer gewann Glarner den eidgenössischen Kranz. In Estavayer lies sich Glarner zum Schwingerkönig als Nachfolger vom Matthias Sempach krönen. In Estavayer war Glarner nicht zu den Topfavoriten auf den Königstitel gezählt worden, jedoch als Aussenseiter mit intakten Chancen in einem starken Berner Team. Nachdem seine Berner Weggefährten allesamt gebremst wurden, war der Weg frei für den Meiringer. Mit sechs Siegen und einem Gestellten (gegen Samuel Giger) erlangte er den Schlussgang. Dabei bezwang er nach einem Abnützungskampf den Bündner Armon Orlik nach fast 14 Minuten Gangdauer mit Kreuzgriff.

Nach dem Königstitel folgte jedoch ein folgeschwerer Arbeitsunfall. Am 27.  Juni 2017 stürzte Glarner im Hasliberg vom Dach einer Gondel zwölf Meter in die Tiefe. Die Diagnose war verheerend: Beckenring-Sprengung und Sprunggelenks-Verletzung. Dabei hatte der Schwingerkönig unfassbares Glück im Unglück. Glarner fiel für den Rest der Saison 2017 komplett aus, ein Comeback im 2018 musste er wieder abbrechen.

2019 kehrte Glarner ins Sägemehl zurück und gewann am Oberländischen und am Berner Kantonalen in Münsingen, wo er den Schlussgang erreichte, den Kranz. Beim Saisonhöhepunkt in  Zug reichte es dem Berner Oberländer knapp nicht mehr zu Eichenlaub. Wegen eines Gestellten im achten Gang gegen Mike Müllestein verpasste er seinen fünften eidgenössischen Kranz um 0,25 Zähler. "Dies musste ich alles zuerst verarbeiten. Bei einem Kranzgewinn wäre ich noch am Sonntagabend in Zug zurückgetreten", betonte der Sennenschwinger.

Drei Brünig-Schlussgänge
Des weiteren gewann Glarner in seiner langen Ära  drei Teilverbandsfeste ((Berner Kantonales 2016 in Meiringen, Südwestschweizer 2008 in La Chaux-de-Fonds sowie Nordwestschweizer 2014 in Zuchwil). Ebenso 2 Bergfeste (Rigi-Schwinget 2009, und Schwägalp-Schwinget 2015.) Am heimischen Brünig-Schwinget stand er drei Mal im Schlussgang, gewinnen konnte er das Fest aber nie. Matthias Glarner gehörte zur starken Berner Delegation der Jahrgänge 1984 bis 1986 zu denen unter anderem auch Matthias Sempach, Christian, Stucki, Willy Graber, Matthias Siegenthaler, Thomas Sempach und auch sein Cousin Simon Anderegg gehörten. 

Mit dem Rücktritt von Glarner sind noch drei Schwingerkönige aktiv. Dies sind Arnold Forrer (2001), Kilian Wenger (2010) und Christian Stucki (2019).

Jakob Heer

Redaktion

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