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Unglücksrabe hat den Blick nach vorne gerichtet

Aus dem aktuellen SCHLUSSGANG (Rubrik Schwinger, Lukas Renfer): Der 25-jährige Lukas Renfer liess erstmals mit der Schlussgangteilnahme am Bern-Jurassier 2018 aufhorchen. Ein Jahr später stand der Sennenschwinger mit dem weinroten Hemd schon vor dem Ausstich in der Endausmarchung, ehe alles anders kam. Mittlerweile hat der Neo-Mittelländer den Blick nach vorne gerichtet.
Lukas Renfer (links) im Duell mit dem Eidgenossen Simon Anderegg im Rahmen des Bern-Jurassischen Schwingfestes 2018. (Foto: Barbara Loosli)

Es geschah am 19. Mai 2019 am Bern-Jurassischen Schwingfest in Péry. Lokalmatador Lukas Renfer drückte dem Fest lange Zeit den Stempel auf. Nacheinander mussten Philipp Gehrig, Niklaus Zenger, Bruno Wüthrich und Jonas Lengacher die Stärke des Bern-Jurassiers akzeptieren. Mit 40 Punkten war Renfers Vorsprung derart gross, dass er selbst bei einer allfälligen Niederlage im fünften Gang nicht mehr am Schlussgangeinzug zu hindern gewesen wäre.

Schwere Schulterverletzung
Dann folgte der verhängnisvolle fünfte Gang. Renfer verletzt sich im Duell mit Thomas Sempach schwer an der Schulter. Die Sehne, die den Bizeps mit dem Schulterblatt verbindet, war gerissen. Anstelle des führenden Jurassiers wurden Schwingerkönig Kilian Wenger und Patrick Schenk für den finalen Gang erkoren. Der nach fünf Gängen noch immer führende Pechvogel befand sich auf dem Weg ins Spital und erhielt den Ehrenkranz zugesprochen.

Wechsel bahnte sich an
Die Saison 2019 und somit auch das Eidgenössische in Zug waren für ihn gelaufen. Dabei hatte er klare Ziele. Renfer wollte den ersten Kranz für den Bern-Jurassischen Schwingerverband seit 1961 (Jacob Bissig) erkämpfen. Sein Vater zog dereinst von Lengnau im Seeland in den Berner Jura. Seine Laufbahn startete Renfer beim Schwingklub Tavannes unter den Fittichen von Jean-Philippe Kläy. «Ich spielte als Knabe auch Eishockey. Obwohl in unserer Familie niemand schwang, merkte ich bald, dass dieser Sport auf mich zugeschnitten ist.»

Mittlerweile hat er den Wohnsitz ins Berner Mittelland verlegt. Renfer absolvierte die Lehre als Käser im freiburgischen Alterswil, wo er beim Schwingklub Schwarzenburg zu trainieren begann und mit offenen Armen empfangen wurde. Mittlerweile arbeitet er in Heitenried, den Wohnsitz hat er nach Riggisberg verlegt. «Ich ging nicht im Unfrieden weg vom Jura. Viel mehr hat sich mein Wechsel ins Mittelland abgezeichnet.» Am Hallenschwinget in Büren im Februar 2020 startete der Mann im weinroten Hemd erstmals für die Mittelländer Farben. Es war dies auch sein erster Wettkampf nach der schweren Verletzung im Mai 2019.

Durchbruch 2018
Der Durchbruch zur erweiterten Spitze im Berner Verband gelang dem Jurassier in der Saison 2018. Sechs Kränze, darunter der Bergkranz von Schwarzsee und der Teilverbandskranz in Utzenstorf bezeugen dies. Am Bern-Jurassischen stand er schon damals (gegen Simon Anderegg) im Schlussgang. «Ich habe mich in jener Saison speziell mental und physisch gesteigert. Mit meinem persönlichen Trainer Stefan Riesen (ehemaliger Ironman-Sieger) gelangen mir deutliche Fortschritte.»

Die Ziele bleiben
Die Ziele hat er trotz der schwierigen Phase nicht aus den Augen verloren. «Schwingen ist meine Leidenschaft. Verletzungen gehören zum Sport, doch meine Ziele habe ich deswegen nicht aus den Augen verloren. Ich richte meinen Fokus Richtung Pratteln 2022.» Renfer fühlt sich körperlich fit, was ihm noch fehlt, sind ein paar Trainingseinheiten im Sägemehl. In einem Viererquartett hat er gemeinsam mit Severin Schwander, Lorenz Berger und Fabian Staudenmann das Training wieder aufgenommen und gehört zu jenen 120 Athleten, die schon etwas früher wieder schwingen durften.

Nach einer verletzungsbedingten Pause von acht Monaten folgte der Lockdown per März 2020. Abgesehen vom Hallenwettkampf in Büren sind dies fast zwei Jahre ohne Ernstkämpfe. «Ich hielt mich so gut wie möglich fit. Wandern, Biken und Bootfahren standen im vergangenen Sommer im Mittelpunkt. Auch ohne Schwingfeste konnte ich diese Zeit geniessen.»

Auch beruflich will sich der 25-Jährige weiterbilden. Im Berufsbildungszentrum in Sursee will der Käser nach dem Eidgenössischen 2022 an der Fachschule die höhere Berufsbildung im Bereich Milchwirtschaft antreten. Wohlverstanden nach dem Saisonhöhepunkt. «Dem ordne ich derzeit fast alles unter. Denn, ein eidgenössischer Kranz ist ein Kindheitstraum von mir. Da spielt es auch keine Rolle, ob ich als Jurassier oder Mittelländer dieses Ziel anpacke.»

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Jakob Heer

Redaktion

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