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Unvergessliches ESAF 1998 als grosser Höhepunkt

Aus dem aktuellen SCHLUSSGANG (Rubrik Wer sie waren, was sie wurden): Werner Vitali prägte den Schwingsport in den 80er- und 90er-Jahren im Kanton Luzern massgeblich mit. Vier ESAF-Kränze sowie Spitzenplätze an Grossanlässen zeugen davon. Heute lebt der ehemalige Turnerschwinger in Frankreich.
Sein Kurz war gefürchtet! Werner Vitali (links) 1998 am Eidgenössischen Schwingfest in Bern im Duell gegen Schwingerkönig Thomas Sutter. (Foto: SCHLUSSGANG)

Der Schwingsport wurde Werner Vitali nicht in die Wiege gelegt und dennoch führten familiäre Gründe dazu, dass er sich für den Nationalsport entschied. Sein zwölf Jahre älterer Bruder Albert, der im Juni 2020 zur grossen Trauer der Familie verstarb, animierte ihn dazu ins Sägemehl zu steigen. Und schon bald zeigte sich beim Schwingklub Surental, dass ein grosses Talent den Weg in die Zwilchhosen fand. Bereits mit 17 Jahren gewann er 1984 am Luzerner Kantonalfest seinen ersten Kranz. «An diesen Tag mag ich mich sehr gut erinnern. Ich konnte im Ausstich zwei Mal um den Kranz schwingen und realisierte den Erfolg am Ende auch.»

Unvergessliche Eidgenössische
Weil der Luzerner Turnerschwinger seinen Kranzgewinn sofort bestätigen konnte, reiste er 1986 als 19-Jähriger erstmals an ein Eidgenössisches Schwingfest und erlebte in Sion den ersten Innerschweizer Königstitel dank Harry Knüsel hautnah mit. «Die Eidgenössischen Schwingfeste wecken in mir natürlich noch heute sehr viele Erinnerungen.» Eine davon ist vom ESAF 1995 in Chur. «Nach sechs Gängen führte ich die Rangliste an und stellte im siebten Gang gegen Adrian Käser.» Durch diesen Gestellten lag er auf Rang 2. «Weil Eugen Hasler als Erster im Schlussgang stand, wurde für diesen der punktgleiche Thomas Sutter vorgezogen.»

Die Duelle gegen Eugen Hasler
Eugen Hasler stand Vitali nicht nur in Chur «im Weg». Unter anderem auf dem Brünig oder zwei Mal am Innerschweizer konnte der Luzerner im Schlussgang den Schwyzer nicht bezwingen. «Er war sicher der bessere Schwinger», sagt Vitali und ergänzt: «Gegen ihn konnte ich am wenigsten gut schwingen. Er war zu dieser Zeit der einzige Spitzenschwinger in der Innerschweiz, den ich nicht besiegte.»

Eine Niederlage im Schlussgang bezog der heute 53-Jährige 1993 am Innerschweizer in Sursee. «Weil mit dem Schwingklub Surental mein Heimatklub für die Organisation zuständig war, bleibt mir dieser Tag speziell im Gedächtnis. Ich war auch in der Organisation mit dabei. Ich mag mich erinnern, dass das Fest wegen schlechtem Wetter um eine Woche verschoben werden musste. Trotzdem waren um die 8000 Zuschauer am Anlass.»

Blickt der zweifache Kranzfestsieger Vitali auf seine Leistungen zurück, stellt er heute fest, «dass mehr möglich gewesen wäre. Ich habe sicher den einen oder anderen Kranzfestsieg aus den Händen gegeben. Vielleicht fehlte hie und da auch der absolute Siegeswille.»

Rücktritt vom Rücktritt
1996 entschied sich Werner Vitali mit erst 29 Jahren aus familiären und beruflichen Gründen, dem aktiven Schwingsport den Rücken zu kehren. «Viele wissen nicht, dass ich bereits im Frühling 1997 wieder einsteigen wollte. Eine Verletzung an den Bändern liess das Comeback aber nicht zu.»

1998 kam Vitali mit soliden Resultaten zurück ins Sägemehl. Vor dem Eidgenössischen Schwingfest in Bern hatte man ihn zwar auf der Rechnung, zu den grossen Favoriten zählte der Kurz-Spezialist aber nicht. «Vor dem ESAF besuchte ich das Festgelände und spürte, dass etwas möglich ist. Ich wusste, wenn ich Erfolg haben will, muss ich alles riskieren.» Und das machte Vitali. Dank einem «guten Start mit dem Sieg gegen Urs Matter», wie er sagt, schwang er von Anfang an in der Spitze mit und stand nach sieben Gängen als Schlussgangteilnehmer fest.

Die Zeit zwischen dem 7. Gang und dem Schlussgang war sehr nervenaufreibend. «Normal konnte ich mich gut fokussieren, aber dort gingen mir viele Gedanken durch den Kopf, vor allem weil ich wusste, dass nach Bern Schluss sein wird.» Trotz guter Leistung verlor er schliesslich gegen Jörg Abderhalden und verabschiedete sich zum zweiten Mal vom aktiven Schwingsport.

Knapp verpasster fünfter Kranz
Im Sommer 2003 entschied sich Vitali für sein zweites Comeback. «Ich wollte nochmals eine sportliche Herausforderung. Und weil ich als Kassier der Festwirtschaft früh mitkriegte, wie toll das ESAF 2004 in Luzern werden würde, entschied ich mich dazu.» Und nochmals begeisterte der Turnerschwinger die Massen. In den ersten sechs Gängen hallten mehrfach die «Werni»-Rufe von den Tribünen. Am Ende fehlte das berüchtigte Viertel zum fünften ESAF-Kranz nach 1989, 1992, 1995 und 1998. «Ein viertes Comeback stand nie zur Diskussion.»

Den Schwingsport verfolgt Werner Vitali intensiv mit. Seit Januar 2014 aus der Ferne, von einem Schlossgut in Frankreich. «Drei Jahre zuvor entstand mit meiner Lebenspartnerin die entsprechende Idee.» Dabei freut sich Vitali jeweils über die zahlreichen Besuche der Schwingerkollegen.

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Manuel Röösli

Redaktionsleitung

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