Adi Zurfluh der dreifache Eidgenosse

Während der wegen dem Coronavirus schwingfreien Zeit werden auf www.schlussgang.ch regelmässig Porträts von Schwingergrössen aus der Vergangenheit aufgeschaltet. Heute ist der Innerschweizer Adi Zurfluh an der Reihe, sein Porträt im SCHLUSSGANG erschien im Jahr 2006. Die Frohnatur Adi Zurfluh ist ein Schwinger, der noch Jahre nach seinem Rücktritt in vieler Leute Munde ist. Der Schönschwinger, der ja nicht mit Gardemassen ausgestattet war, hat in seiner Aktivzeit unglaubliche Erfolge erreicht. Zusammen mit seinen Brüdern war Adi ein auf allen Schwingplätzen gern gesehener Schwinger.
Adi Zurfluh wie man ihn kannte - ganz auf Angriff eingestellt. (Archivfoto Schlussgang)

Eine Spezialität von Adi war, dass er meistens mit einem Jauchzer den Schwung einleitete. «Ich glaube, dass viele meiner Gegner einen grossen Respekt vor meinem (Gesang) hatten. Meine Urschreie haben mir in manchem Gang ohne grosse Kraftanstrengung den Sieg gebracht.»

Drei Rigi-Siege
Es war der Attinghauser Walter Wyrsch, der am Eidgenössischen Schwingfest 1956 in Thun selber zu Kranzehren kam, der Adi und seine Brüder zum Schwingen animieren konnte. Dies ist Walter Wyrsch noch heute zu danken, denn ohne Adi wäre die Schwingergeschichte um ein grosses Kapitel ärmer. Seine 18 Kranzfestsiege, darunter drei Rigi-Siege, sprechen dazu eine deutliche Sprache. Leider blieb Adi Zurfluh ein Festsieg am eigenen Teilverbandsfest versagt. In einem aus unerklärlichen Gründen nur auf sieben Minuten angesetzten Schlussgang kam er am Innerschweizer Schwingfest in Giswil gegen Remigi Niederberger zu keiner Entscheidung, und den Sieg erbte der Nordostschweizer Ruedi Kobelt. Für Zurfluh war es immer eine Ehre, wenn er gegen sein grosses Vorbild Karl Meli antreten durfte. Zusammen mit Peter Gasser nennt der Landwirt den zweifachen Schwingerkönig als seinen härtesten Gegner.

Durch seinen Beruf als Landwirt fehlte Adi Zurfluh die nötige Zeit, um in der Administration grössere Ämter zu übernehmen. Er war 12 Jahre Technischer Leiter im Schwingklub Küssnacht am Rigi. An unzähligen Schwingfesten war er im Gabenkomitee, und 13 Jahre amtete er als Kampfrichter. Dabei bleiben ihm die beiden Einsätze an den Eidgenössischen in Basel und St. Gallen immer in bester Erinnerung.

Krafttraining durch Arbeit
«Ich habe in meiner Aktivzeit sehr viel trainiert. Zweimal in der Woche übte ich im Schwingkeller, dazu habe ich sehr viele Waldläufe gemacht. Die Kraft holte ich mir bei der täglichen Arbeit. Wir mussten alle Tage das Gras für 40 Kühe von Hand einbringen! Das hat uns eine gesunde Naturkraft gegeben.»

Noch heute (Porträt erschien im Jahr 2006) besucht Adi sehr viele Schwingfeste. Durch seine Söhne Philipp, Ruedi und Adi, die alle selber aktiv schwangen, hat er immer noch eine enge Beziehung zu den Aktivschwingern. Er bewundert dabei die Arbeit der Schwinger sehr. Nur mit gewissen Neuerungen im Kampfrichterwesen kann er sich nicht so recht anfreunden. «Dass ein Resultat ausserhalb des Sägemehlrings nicht mehr akzeptiert wird, damit kann ich mich abfinden. Im Allgemeinen werden die Kämpfe aber viel zu früh unterbrochen. Solange die Schwinger noch Sägemehl unter den Füssen haben, sollte der Gang nie unterbrochen werden. Endet der Zug schliesslich neben dem Platz, darf das Resultat einfach nicht gegeben werden. Darunter leidet aus meiner Sicht vor allem die Bodenarbeit, denn zum Beispiel für den Bur braucht man genügend Platz. Dies ist ein typisches Beispiel, dass die wirkungsvolle Bodenarbeit von vielen Schwingern vernachlässigt wird und es viele unnötige gestellte Gänge gibt.»

Diskussionen lassen ihn kühl
Die zum Teil heftigen Diskussionen über Sponsoring und sehr wertvolle Gaben lassen Adi Zurfluh kühl. Schliesslich sind die Löhne ja auch viel höher geworden. Adi Zurfluh ist der festen Überzeugung, dass man bei den Schwingfesten nicht allzu viel ändern sollte. Er ist der festen Überzeugung, dass die meisten Aktivschwinger nicht wegen der Gaben schwingen. Genau wie ein Kurzzug immer ein Kurzzug bleiben wird, behält auch ein Kranz immer seinen Wert. Zudem ist das Althergebrachte auch heute noch nicht immer das Schlechteste.

Werner Frattini

Freier Mitarbeiter Text

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