Beinahe 40 Jahre voller Einsatz für den Schwingsport

Während der wegen dem Coronavirus schwingfreien Zeit werden auf www.schlussgang.ch regelmässig Porträts von Schwingergrössen aus der Vergangenheit aufgeschaltet. Heute ist der Nordwestschweizer Stefan Schlachter an der Reihe, sein Porträt im SCHLUSSGANG erschien im Jahr 2019. Der Fricktaler Stefan Schlachter kam noch vor seinem 19. Geburtstag zu Kranzehren am Eidgenössischen Schwingfest. Nach seinen Aktivjahren im Sägemehl prägte er über Jahre auch die Einteilungsarbeit in der Nordwestschweiz.
Im Juni 1992 bestritt Stefan Schlachter (hinten) einen seiner letzten Wettkämpfe einer fast 20-jährigen Schwingerlaufbahn. (Foto: zvg)

Als Stefan Schlachter neunjährig dank seinem Bruder Hubert erstmals mit dem Sägemehlsport in Verbindung trat, war noch nicht abzuschätzen, dass ihn dieser bis ins Jahr 2011 intensiv begleiten würde. An seine Anfänge im Sägemehl erinnert sich der Fricktaler Turnerschwinger noch heute gut zurück. Viele Wettkampfmöglichkeiten gab es zu dieser Zeit aber noch nicht. «Jungschwingertage zu dieser Zeit waren sehr selten und so musste man sich hauptsächlich beim Training beweisen.» Kein Vergleich zur heutigen Zeit, in der es bereits ab acht Jahren möglich ist zahlreiche Nachwuchswettkämpfe zu bestreiten.

Drei Kränze in Premierensaison
Nachdem sich der gelernte Metzger bereits in seiner dritten Aktivsaison 1982 am Aargauer Kantonalfest in Zurzach den ersten Kranzgewinn sicherte, folgten noch im gleichen Jahr auch die Eichenlaube am Baselbieter Kantonalfest und auch am Nordwestschweizer Teilverbandsfest. Ein Jahr später gesellten sich zwei weitere Auszeichnungen in die Kranzvitrine Schlachters. Und dennoch musste er hart um seinen Startplatz am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 1983 kämpfen. «Ich war für das ESAF in Langenthal ursprünglich nur als Ersatz vorgesehen.»

«Auch für mich überraschend»
Umso erfreuter nahm der Fricktaler zur Kenntnis, dass er aufgrund eines Ausfalls in der Nordwestschweiz doch noch nachrutschen konnte. Im ersten Anlauf sicherte er sich den eidgenössischen Kranz. «Dieser Erfolg kam auch für mich überraschend. Ich weiss noch, dass ich einen Grossteil meiner Gegner kaum kannte.» Vielleicht konnte Stefan Schlachter gerade deshalb völlig befreit aufschwingen. An seinen Auftritt erinnert sich Schlachter auch wegen einer Szene nach dem ersten Gang gut. «Ich verlor das Startduell gegen Werner Jakob und war sehr enttäuscht. Da hat mich Ruedi Lüscher, der uns immer wieder unterstützte, mit ein paar guten Worten aufgebaut. Danach lief es perfekt.»

Probleme nach Kranzgewinn
Obschon Schlachter bei seinem ESAF-Kranzgewinn noch nicht einmal den 19. Geburtstag gefeiert hatte, wurde er in der Folge natürlich als Spitzenschwinger angeschaut und auch dementsprechend eingeteilt. «Ich hatte lange hartes Brot zu essen, konnte dadurch aber auch viel lernen.» Die sportlichen Erfolge blieben in dieser Zeit in Form von regelmässigen Kranzgewinnen zwar aus, machten ihn aber stärker. «Auch dank diesen Erfahrungen reichte es 1986 in Sion zum zweiten Mal für einen ESAF-Kranz.»

Weniger Glück war ihm bei den nächsten beiden Einsätzen beschieden. In Stans hatte er sich 1989 viel vorgenommen und konnte die Vorschusslorbeeren am Ende nicht umsetzen. «Ich musste bereits nach vier Gängen duschen gehen. Das war enttäuschend.» 1992 in Olten stellte er gegen Karl Meli junior im Kampf um Eichenlaub.

Zu den weiteren Anlässen mit eidgenössischem Charakter hat Schlachter auch nicht nur gute Erinnerungen. «1990 bestritt ich den Schlussgang am Baselbieter Kantonalschwingfest gegen Rolf Klarer. Die Enttäuschung war danach gross, dass es trotzdem nicht zur Selektion an den Kilchberger Schwinget reichte.»

Technischer Leiter auf drei Stufen
Wegen Hüftproblemen hängte Stefan Schlachter seine Hosen schliesslich 1992 an den Nagel und fokussierte sich auf die Funktionärslaufbahn. Beim Schwingklub Fricktal (1986 bis 1998), beim Aargauer Kantonalverband (1996 bis 2002) und in der Nordwestschweiz (2002 bis 2011) bekleidete er über Jahre das Amt des Technischen Leiter. «Das war eine anstrengende und harte Zeit. Man steht vielfach zwischen Schwingern und Funktionären, was es nicht einfach macht.»

Seine langjährigen Verdienste für den Schwingsport wurden mit Ehrenmitgliedschaften bis hinauf zum ESV belohnt. Heute verfolgt er den Schwingsport aus der Ferne. «Dank der Schwinger-App vom SCHLUSSGANG ist man ja gut informiert.» Vor Ort ist er jeweils am Fricktaler Abendschwinget.

Manuel Röösli

Redaktionsleitung

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