Eidgenössischer Kranzgewinn als Höhepunkt

Während der wegen dem Coronavirus schwingfreien Zeit werden auf www.schlussgang.ch regelmässig Porträts von Schwingergrössen aus der Vergangenheit aufgeschaltet. Heute ist der gebürtige Innerschweizer Alois Boog junior, der zum Abschluss der Laufbahn für die Nordostschweizer schwang, an der Reihe. Sein Porträt im SCHLUSSGANG erschien im Jahr 2018. Alois Boog durfte bereits in frühen Jahren grosse Erfolge feiern. 21 Kranzgewinne, darunter am Eidgenössischen 1989, und der Sieg am Luzerner Kantonalfest waren das Resultat seiner Laufbahn. Verletzungen und sportliches Pech verhinderten im weiteren Karriereverlauf noch mehr Erfolge.
1991 duellierte sich Alois Boog (rechts) am Ob- und Nidwaldner Kantonalschwingfest in Beckenried gegen Robert Arnold. Am Ende reichte es dem Luzerner mit fünf Siegen für den fünften Schlussrang und den Kranzgewinn. (Fotoarchiv: Christian Mutzner/SCHLUSSGANG)

Der Schwingsport war Alois Boog in die Wiege gelegt, als er am 5. April 1968 das Licht der Welt erblickte. Sein Vater, Alois Boog senior, war in den 60er-Jahren einer der besten Schwinger im Lande. «Er hat 1972 aufgehört, darum habe ich keine Erinnerungen mehr an meinen Vater als Aktivschwinger. Ich mag mich aber daran erinnern, dass er als Technischer Leiter nach seiner Aktivlaufbahn noch weiter mit dem Schwingsport im Kontakt stand.»

So überraschte es nicht, dass sich Boog mit zehn Jahren bereits dem Schwingklub Luzern anschloss. Zu dieser Zeit war der Stadt-Schwingklub mit vielen starken Schwingern bestückt. «Beim Nachwuchs waren die Zahlen aber schon damals eher tief, und so war ich bereits mit 14 Jahren im Training bei den Aktiven», erklärt der Familienvater. Seine Vorbilder zu dieser Zeit waren seine Klubkollegen Ruedi Bürkli, Walter Schär sowie Heinz und Hans Vogel, die regelmässig Kränze gewinnen konnten.

Erster Kranz mit 18 Jahren
Dank den guten Trainingsbedingungen stellten sich beim Luzerner früh erste Erfolge ein. Ein erstes Mal so richtig in Erscheinung trat er 1986 in Oberkirch. Ausgerechnet am langjährigen Wohnsitz seines Vaters gewann er am Luzerner Kantonalschwingfest seinen ersten Kranz. Wenige Woche später bestätigte er diesen Erfolg mit dem Gewinn des Brünig-Kranzes als 18-Jähriger. So früh zu Brünig-Kranz-ehren kommen noch heute die wenigsten Schwinger.

Diese Erfolge ermöglichten Alois Boog 1986 die Teilnahme am Eidgenössischen Schwingfest in Sion. Im Hinblick auf den weiteren Karriereverlauf war dies eine tolle Erfahrung. «Ich mag mich vor allem an den Gang gegen Christian Oesch erinnern.» Nach sechs Gängen, aber mit einem guten Gefühl verliess Boog das Wallis wieder.

Einziger Sieg an einem Kranzfest
Nach Sion 1986 ging es weiter steil aufwärts in der Laufbahn des Sennenschwingers. 1987 gewann er überraschend das Luzerner Kantonalschwingfest in Ruswil. Dabei profitierte er vom gestellten Schlussgang zwischen Daniel Hüsler und seinem Teamkollegen Heinz Vogel. «Ich gewann den letzten Gang gegen Alfred Achermann. Habe aber da noch nicht realisiert, dass ich erben könnte.» Punkte hat Boog nie gross zusammengezählt, denn bei jedem Gang habe er in erster Linie den Sieg angestrebt. Der Sieg war insofern besonders, weil es bis zu seinem Laufbahnende der einzige bleiben soll.

Dass man im Leben nicht nur immer auf der Sonnenseite sein kann, erlebte Alois Boog ein Jahr später. Am Baselstädtischen Schwingfest erlitt er eine Einstauchung der Wirbelsäule. «Mein Arzt hat mir danach gesagt, dass es auch anders hätte ausgehen können.»

ESAF-Kranz als Militarist
Trotz der Verletzung ging es 1989 weiter mit Schwingen. In Stans krönte sich Alois Boog zum Eidgenossen. Besonders in Erinnerung blieben ihm dabei der Gang gegen Hans Hämmerli, den er fast gewann, und natürlich der Sieg im 8. Gang gegen Max Giger. Mit dem Kranzgewinn hatte er aufgrund seines Militärdienstes nicht gerechnet. «Ich hatte nicht einmal den Mutz dabei. Vinzenz Küttel lieh mir diesen damals», sagt er mit einem Schmunzeln. An den weiteren Eidgenössischen war ihm weniger Glück beschieden.  1992 in Olten verpasste er nach einer Verletzung die Qualifikation, 1995 in Chur fehlte das Wettkampfglück.

Wechsel nach Zürich
1993 folgte aufgrund seines Studiums als Chemiker an der ETH Zürich der Wechsel zum Schwingklub Zürich. «Ausschlaggend für den Wechsel war auch die Enttäuschung darüber, dass man mich 1992 nicht für das ESAF in Olten selektionierte.» Höhepunkt seiner Zeit in Zürich war die Teilnahme am Kilchberger Schwinget im Jahr 1996.

Am 2. Januar 1998 schliesslich beendete Alois Boog auch aus Motivationsgründen seine Laufbahn. Dem Schwingen blieb er in der Folge von 1999 bis 2008 als Kampfrichter treu. 2008 am Kilchberger Schwinget beendete er seine Funktion.

Seine Verdienste für den Schwingsport wurden mit der Ehrenmitgliedschaft beim Schwingklub Zürich und beim Zürcher Kantonalverband gewürdigt. Heute verfolgt er den Schwingsport eher aus der Ferne. «Ich interessiere mich für die Resultate, aber an den Schwingfesten bin ich nur noch ein  bis zwei Mal pro Jahr.»

Manuel Röösli

Redaktionsleitung

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