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Ein Beispiel des typischen Berner Sennenschwingers

Während der wegen dem Coronavirus schwingfreien Zeit werden auf www.schlussgang.ch regelmässig Porträts von Schwingergrössen aus der Vergangenheit aufgeschaltet. Heute ist Daniel Krebs an der Reihe. Sein Porträt erschien im Jahr 2018. Der Mittelländer Daniel Krebs ist ein leuchtendes Beispiel des typischen Berner Sennenschwingers. Ein gutes Repertoire von Standschwüngen und eine solide Bodenarbeit zeichneten den kräftigen Landwirt in seiner Karriere aus.
Daniel Krebs (gegen Jörg Schneider) am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 1992 in Olten. (Fotoarchiv: Christian Mutzner/SCHLUSSGANG)

Dass man im Schwingen auch als Späteinsteiger grosse Erfolge haben kann, zeigt sich eindrücklich an den Erfolgen des vierfachen Familienvaters Daniel Krebs. Der kräftige Bauernbub kam erst im Alter von 18 Jahren zufällig durch Kollegen zum Schwingen. Schon nach kürzester Zeit machte der dem Schwingklub Schwarzenburg angehörige Landwirt durch gute Resultate auf sich aufmerksam.

Sicher nicht alltäglich ist die Begebenheit, dass Krebs sich bereits bei seinem ersten Start an einem Kranzfest 1984 an einem Seeländischen Schwingfest den Kranzgewinn sichern konnte. Von diesem Zeitpunkt an galt der immer noch aktive Jodler als sicherer Kranzwert in den Reihen der Berner Schwinger. Dies beweist die Tatsache, dass sich Krebs zehn Jahre in Folge unter die Kranzgewinner am Berner Kantonalen reihen konnte. Besonders stolz ist er darauf, dass er gegen alle damals im Berner Verband im Einsatz stehenden Spitzenschwinger mindestens ein Mal gewinnen konnte.

Dass ihm im eigenen Verband kein Kranzfestsieg gelang, erklärt der immer noch schwingbegeisterte Mittelländer so: «Ich habe in meiner Laufbahn unzählige Schlussgänge bestritten. Irgendwie war ich jedoch immer wie blockiert und habe immer den Kürzeren gezogen. Warum das so war, ist noch heute schwer zu erklären.» Darum freut ihn der einzige erreichte Sieg als Gast am Freiburger Kantonalen besonders.

Enttäuschung 1992 in Olten
In guter Verfassung reiste der zweifache Eidgenosse nach Olten. Bis am Sonntagmittag lag Daniel Krebs voll auf Kranzkurs und hatte im siebten Gang sogar die Chance, gegen Jörg Schneider um die Schlussgangqualifikation zu schwingen.

Obschon dieser wichtige Gang verloren ging, stieg er voller Zuversicht, im Wissen darum, dass ihm ein gestellter Gang zum Kranzgewinn reichen würde, in den achten Gang gegen Markus Grütter. Lange Zeit schien das Vorhaben von Krebs aufzugehen, bis plötzlich kurz vor Gangende Grütter einen Angriff des Berners konterte und so den Kranz in die Innerschweiz holte. «Diese Niederlage war die grösste Enttäuschung, die ich in meiner Karriere erleben musste. Ich hatte auch relativ lange, bis ich das Geschehene verdauen konnte. Im Nachhinein muss ich jedoch sagen, dass solche Momente zum Schwingen gehören und bis auf wenige Ausnahmen jeder Aktive einmal solch schmerzliche Niederlagen verkraften muss.» Drei Jahre später am Eidgenössischen Schwingfest in Chur erkämpfte er sich mit einer soliden Leistung seinen dritten eidgenössischen Kranz. 

Arbeit als Trainingseinheit
Bis zu vier wöchentliche Trainingseinheiten absolvierte Daniel Krebs in seiner Aktivzeit. Vor allem Schwingen und Kondition standen auf dem Programm. Die Kraft eignete er sich während der schweren Arbeit als Landwirt an. Dies hatte zur Folge, dass aus seiner Sicht zu seiner Aktivzeit eher vielseitiger geschwungen wurde. «Natürlich gab es schon zu meiner Zeit sogenannte Kraftschwinger. Mir ist jedoch aufgefallen, dass man heute gewisse Schwünge fast nie mehr sieht. Ob dies mit den Trainingsmethoden zusammenhängt, darüber möchte ich kein Urteil geben.»

Durch die Übernahme eines eigenen Landwirtschaftsbetriebes beendete Krebs nach dem Gewinn des dritten ESAF-Kranzes seine Aktivlaufbahn. Seine Dienste stellte er dem Schwingen in den folgenden Jahren als Kampfrichter zur Verfügung. Zweimal stand er dabei an Eidgenössischen Schwingfesten im Einsatz. Da die Freizeit nebst dem Training und der landwirtschaftlichen Arbeit eher knapp bemessen war, hatte er ausser dem Amt als Rechnungsrevisor nie in administrativen Ämtern gestanden.

Junge fördern
Bereits während seiner Aktivzeit war die Betreuung der Nachwuchsschwinger ein wichtiges Anliegen von Daniel Krebs. Dies hat sich bis heute nicht geändert. Dass heute die Schwinger als Spitzensportler gelten und dem Interesse der Öffentlichkeit ausgesetzt sind, sei an sich eine erfreuliche Entwicklung, berge aber auch gewisse Gefahren in sich. Es sollte darauf geachtet werden, dass die Schwinger nicht plötzlich einen Marktwert besitzen. «Schwingen sollte immer die Hauptsache sein. Jedoch ein finanzieller Zustupf ist jedem Schwinger zu gönnen.»

Werner Frattini

Freier Mitarbeiter Text

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