Ein kräftiges Naturtalent mit starkem Willen

Während der wegen dem Coronavirus schwingfreien Zeit werden auf www.schlussgang.ch regelmässig Porträts von Schwingergrössen aus der Vergangenheit aufgeschaltet. Heute ist Peter Jutzeler an der Reihe. Sein Porträt erschien im Jahr 2010. Ob als Nationalturner, als Ringer oder als Schwinger, in allen Sparten erreichte der zähe Glarner Peter Jutzeler grosse Erfolge.
Peter Jutzeler (oben) wirft Roman Veraguth am Bündner Kantonalen 1965 in Chur. (Fotoarchiv Christian Mutzner)

Peter Jutzeler wäre gerne Fussballer geworden. Sein Vater, früher ein bekannter Nationalturner, bekundete jedoch keine Freude an diesem Wunsch. So liess er seine Buben das runde Leder nur barfuss behandeln. Dies wiederum behagte dem jungen Peter überhaupt nicht. In der Klosterschule in Näfels, welche er nach der Primarschule zwei Jahre besuchte, kam er dank dem Jugendriegenleiter mit dem Turnsport in Berührung. «Dieser Leiter war wie ein Vater zu uns und hat uns immer sehr motiviert», erinnert er sich. So kamen seine ersten Kontakte mit dem Nationalturnen zustande.

Da sein Vater eine Metzgerei betrieb, lag es nahe, dass auch Peter den Beruf eines Metzgers erlernte. Er war schon in der Lehre ein sehr kräftiger Bursche. Diese Kraft kam ihm auch beim Ringen und Schwingen zugute.

Eher zufällig kam er zu seinem ersten internationalen Ringerwettkampf. «Am Bodensee fand ein Wettkampf Deutschland gegen die Schweiz statt. Eigentlich wären zwei Schwingerkönige angekündigt gewesen, aber sowohl Karl Meli als auch Max Widmer konnten nicht teilnehmen. So wurde ich als 19-Jähriger angefragt», weiss er zu erzählen. «Ich musste im Greco-Stil ringen, davon hatte ich keine Ahnung. Die Betreuer sagten, ich müsse einfach ohne Beineinsatz ringen. Zuerst wurde ich verwarnt, weil ich bei einem Hüfter einen kleinen Schritt machte. Danach gewann ich gegen den Gegner mit Bärendruck.»

Grosse Ringerkarriere
Im Ringen erreichte Peter Jutzeler Erfolge wie kaum ein anderer Schweizer. Je zehn Schweizermeister-Titel im griechischen sowie im Freistil errang er in seiner Karriere. Zweimal nahm er an Olympischen Spielen teil. 1964 erreichte er zwei fünfte Ränge in Tokio und 1968 in Mexiko ebenfalls einen fünften Rang. Im Argentinien hätte es 1969 beinahe eine WM-Medaille gegeben. Punktgleich mit dem drittplatzierten Bulgaren belegte er Rang vier.

Eidgenössische Turnfestsiege
Im Nationalturnen war Peter Jutzeler ebenfalls einer der ganz Grossen. Seine Vielseitigkeit brachte ihm bereits bei den Vornoten jeweils eine gute Ausgangslage, welche er im Ringen und Schwingen dann zu Festsiegen umzusetzen vermochte. Herausragend sind seine beiden Festsiege bei den Eidgenössischen Turnfesten 1963 und 1967.

Erfolgreicher Schwinger
Seinen ersten Schwingerkranz holte er sich als 18-Jähriger am St. Galler Kantonalen. Kranzfestsiege erreichte er am Glarner (2), am Bündner und auf der Rigi. 1966 und 1969 kam er zu eidgenössischen Kranzehren. Besonders freut ihn, dass sein jüngerer Bruder Bruno jeweils am gleichen Fest ebenfalls den Eidgenössischen Kranz holte. Den Kranz 1969 holte Peter Jutzeler mit einem Kreuzband-riss im sechsten Gang! Da er auf Zwischenrang zwei lag, beendete er den Wettkampf trotzdem. Im siebten Gang verlor er gegen Ruedi Hunsperger, den achten gegen Toni Fuchs entschied er für sich. Daraufhin beendete er seine Karriere frühzeitig. «Beruf und Gesundheit waren mir wichtiger», blickt er zurück.

Vom Wurstgrill zum Schlussgang
Spezielle Erinnerungen hat Peter Jutzeler an den Kilchberger Schwinget 1962. Er stand gar nicht im Aufgebot für den Anlass. Am Freitagabend erhielt er einen Anruf des Technischen Leiters. Da sich ein anderer Schwinger verletzt hatte, sollte er einspringen. «Ich konnte dies meinem Chef, einem Metzgermeister aus Zürich, erst am Samstag mitteilen. Wir machten ab, dass ich den Wurstgrill bediene und zwischendurch schwinge.» Am Abend stand er im Schlussgang gegen Hans Bühler. «Vor dem Schlussgang standen mindestens 50 Leute um den Bratwurststand, redeten auf mich ein und gaben Tipps. Vielleicht war es des Guten zu viel, jedenfalls verlor ich auf den ersten Kurzzug meines Gegners», erinnert er sich.

Beeindruckendes Comeback
1970 fand das ISV-Fest in Altdorf statt. Peter Jutzeler erhielt einen Anruf, dass er als Gast eingeladen sei. Der TK-Chef des Glarner Verbandes sagte darauf: «Wenn du da teilnimmst, musst du aber auch das Glarner, das Bündner, das NOS und die Rigi bestreiten.» Auf der Rigi schwang Jutzeler zuvor nie. Da Karl Meli und Max Wolfensberger sowohl im Anschwingen wie im Schlussgang stellten, erbte er zusammen mit Ady Zurfluh den Tagessieg!

Beruflicher Erfolg
1963 übernahm er zusammen mit seinem Bruder Paul die elterliche Metzgerei. Diese führten sie bis 1998. «Das Lädelisterben rundum führte auch zu einem Kundenrückgang in der Metzgerei», erinnert er sich, «es rentierte nicht mehr.» Seither hat er mehr Zeit für sein Hobby, das Velofahren. Dazu hält er sich auch mit Fitness in Form. 

Autor: Fredi Suter

Anmerkung der Redaktion: Peter Jutzeler ist heute Montag, 28. September 2020, im Alter von 80 Jahren verstorben.

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