Grosser Siegeswillen und solide Verteidigung als Trümpfe

Während der wegen dem Coronavirus schwingfreien Zeit werden auf www.schlussgang.ch regelmässig Porträts von Schwingergrössen aus der Vergangenheit aufgeschaltet. Heute ist Ambros Zurfluh an der Reihe. Sein Porträt erschien im Jahr 2008. Sieben Kranzfestsiege und zwei Kränze von eidgenössischem Format liefern den Beweis: Der gebürtige Urner Ambros Zurfluh zählte in seiner von 1969 bis 1982 dauernden Laufbahn zum Kreis der absoluten Spitzenschwinger. Beachtlich auch die Kranzausbeute: 50 Mal liess sich der unermüdliche Kämpfer das begehrte Eichenlaub aufsetzen.
Ambros Zurfluh (rechts) in einem Duell gegen Paul Regez an einem Aargauer Kantonalschwingfest. (Archivfoto: Christian Mutzner/Schlussgang)

Der Name Zurfluh ist im Schwingsport ein Begriff. Schon mancher Spitzenathlet ist aus diesem alteingesessenen Urner Geschlecht hervorgegangen. Unweigerlich denkt man dabei an die drei in Attinghausen aufgewachsenen Eidgenossen Adi, Josef und Theo Zurfluh.

Aus Attinghausen stammt auch Ambros Zurfluh. Mit diesen drei legendären Schwingergestalten ist er aber nur entfernt verwandt. Dagegen ist ein weiterer bestandener Schwinger und Eidgenosse, Hans Zurfluh, sein Cousin. Sein 1983 verstorbener Onkel Josef Zurfluh gewann vor 60 Jahren in Luzern ebenfalls eidgenössisches Eichenlaub. «Josef war der grosse Förderer von mir und meinen drei älteren Brüdern Toni, Hans und Willi», hält Ambros Zurfluh fest. Übrigens gelangten alle vier zumindest einmal an einem Innerschweizerischen Schwingfest zu Kranzehren. Willi, sechs Jahre älter als Ambros Zurfluh, gelang es 1972 in La Chaux-de-Fonds, gar in die Gilde der Eidgenossen aufzusteigen.

Später Durchbruch
Ambros Zurfluh fasste erst mit 20 Jahren so richtig Fuss im Schwingsport. «Ich war nicht gerade mit Idealmassen ausgestattet. Mein Vater prophezeite mir denn auch keine grosse Zukunft im Schwingen. Ich neige eher zum Radiowanderer», meinte er amüsiert. «Dies rief bei mir eine Trotzreaktion hervor. Ich bemühte mich, das Gegenteil zu beweisen. Der Erfolg gab mir letztlich recht.»

Den ersten Kranzgewinn feierte der in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsene zweifache Eidgenosse 1969 an einem Basellandschaftlichen Schwingfest. In der Folge summierten sich die Erfolgserlebnisse. In der Saison 1972 musste der sechsfache Familienvater allerdings einen argen Dämpfer in Form einer Meniskusverletzung hinnehmen. «Dadurch verpasste ich die Teilnahme am Eidgenössischen in La Chaux-de-Fonds. 1973 drängte sich eine Operation auf. Während dem Spitalaufenthalt kreierte ich einen neuen Schwung, Fussstich kombiniert mit Oberarmgriff. Ich hatte damit Erfolg.»

Kein Schönschwinger
Ambros Zurfluh, welcher 1977 vom Innerschweizer Verband in jenen der Nordwestschweiz hinüberwechselte, bekennt heute ehrlich, kein Schönschwinger gewesen zu sein. «Ich musste zu jenen Mitteln greifen, die auf mich zugeschnitten waren.» Ab und zu verstand es der passionierte Schafzüchter, seine Gegner aber auch mit Kurz, Brienzer oder Überwurf unter die Verlierer zu reihen.

Seine beiden für die Innerschweizer Farben errungenen Kränze an den Eidgenössischen Schwingfesten 1974 und 1977 fielen ihm nicht in den Schoss. In Schwyz 1974 hatte er sich mit Peter Lengacher, Christian Jäger, Christian Eggler und Markus Speich auseinanderzusetzen, drei Jahre später in Basel zählten Walter Schiess, Franz Schatt, Arnold Ehrensberger, Fritz Uhlmann und Heinz Seiler zu den renommiertesten Gegnern.

Der Vater des Eidgenossen Damian Zurfluh freute sich schon auf eine weitere Teilnahme an einem Eidgenössischen, 1980 in St. Gallen. Doch aus einer solchen wurde wie schon in der Saison 1972 wiederum nichts. «Diesmal brach ich mir im Schlussgang des Baselstädtischen Schwingertages gegen Paul Vollenweider den Finger. Es sollte nicht sein. Ein drittes Exemplar eines eidgenössischen Kranzes hätte ich natürlich gerne errungen.» Als Trost blieben ihm sieben Kranzfestsiege, je einen an den Verbandsanlässen der Aargauer, Neuenburger und Solothurner und je zwei an jenen der Urner und Basellandschäftler.

Ein Highlight für Zurfluh war auch der zweite Platz am Berner Kantonalschwingfest 1978. «Mirglückten an diesem Siege über Rudolf Tschannen und Walter Blatter.» Vier Jahre später erkämpfte er sich am Berner nochmals den Kranz, den allerletzten seiner 50 Exemplare. 20 dieser Auszeichnungen schwang er für die Innerschweiz, 30 für die Nordwestschweiz heraus.

Wissen weiter vermittelt
Ambros Zurfluh bereut es nicht, eine Schwingerlaufbahn eingeschlagen zu haben. «Für mich war Schwingen eine echte Lebensschulung, die mich auch beruflich weiter brachte.» Der gelernte Maurer arbeitet seit 24 Jahren in der Stadtverwaltung von Liestal und ist dort für die Abteilung Recht und Sicherheit zuständig. Sein angeeignetes Wissen im Schwingen gab er nach seinem Rücktritt in verschiedenen Funktionen (TK-Chef im Basellandschaftlichen Verband, OK-Präsident und Gabenchef an regionalen Festen, Kampfrichter an zwei Eidgenössischen, 1986 in Sion und 1989 in Stans) weiter.

Autor: Karl Duss

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