Keine Niederlage gegen König Ernst Schläpfer

Während der wegen dem Coronavirus schwingfreien Zeit werden auf www.schlussgang.ch regelmässig Porträts von Schwingergrössen aus der Vergangenheit aufgeschaltet. Heute ist Ueli Emch an der Reihe. Sein Porträt erschien im Jahr 2011. Der dreifache Solothurner Eidgenosse Ueli Emch feierte in den 80er Jahren gegen Ernst Schläpfer und am Nordostschweizerischen 1976 in Uster seine grössten Erfolge.
Einer der grössten Triumphe von Ueli Emch: Stolz, aber auch nachdenklich nahm er 1976 den Siegerpreis am Nordostschweizerischen in Uster entgegen. (Fotoarchiv: Christian Mutzner/SCHLUSSGANG)

Der 55-jährige Landwirt erinnert sich gerne an seine Schwingerlaufbahn zurück, auch wenn er heute als Besitzer eines grossen Hofes samt Lohnunternehmen nicht mehr viel Zeit für die Schwingerei hat. Heute wie damals als Böser wohnt er in Kammersrohr am Fusse der ersten Jura-Kette mit schöner Aussicht aufs Mittelland. Mit Unterstützung durch zwei Söhne hat er den Betrieb in den letzten Jahren stetig ausgebaut. Er bewirtschaftet 49 Hektaren Kulturland, im Stall stehen 90 Stück Vieh. Im Sommer kommen beispielsweise vier Mähdrescher zum Einsatz.

Früher Kranzerfolg
Ueli Emch kam schon als Achtjähriger mit dem Schwingen in Berührung. Mit der Jugendriege Attiswil nahm er an Jungschwingertagen teil. Richtig Anschluss an den Sport im Sägemehl fand er ab 12 Jahren. Pöstler Erwin Flück, ein eifriger Schwingerfan, chauffierte ihn regelmässig ins Nachwuchstraining des Schwingklubs Solothurn.

Der junge Bauernsohn aus Kammersrohr profitierte von der Förderung durch Peter Nyfenegger senior und feierte schnell schöne Erfolge. Schon mit 15½ Jahren gewann er den ersten Kranz, und zwar am Nordwestschweizerischen in Oberentfelden. Obwohl Emch mit 180 cm und 90 kg keine Gardemasse aufwies, stieg er schnell zu den besten Nordwestschweizern auf und gewann regelmässig Kränze.

Technisch versiert
Technisch war er gut beschlagen. Wenn der Kurz oder Hüfter, später auch der Schlungg nicht direkt zum  Resultat führten, kam seine gute Bodenarbeit zum Zug. Dank seinem Fleiss im Schwingerkeller verfügte   er über eine gute Ausdauer. Dadurch gewann er oft Gänge in der letzten Minute. Wie gefährlich sein Hüfter war, unterstreicht ein Sieg gegen den Zwei-Meter-Hünen Max Wolfensberger an einem OLMA-Schwinget.

Im Gegensatz zu heute lag der Hauptakzent im Training mehr beim Schwingen. Nebst zwei Einheiten pro Woche im Sägemehl kam nur ein Krafttraining hinzu. «Kondition holten wir uns im Schwingkeller. Heute werden fast zu viele Kraft- und andere Spezialtrainings bestritten», meint Ueli Emch, ausserdem habe man zu seiner Zeit weder Massagen noch mentales Training gekannt.

Kampf an Eidgenössischen Festen
Seinen ersten grossen Erfolg feierte der Kammersrohrer Sennenschwinger 1976 als Gast am Nordostschweizerischen in Uster. Eher überraschend gewann der damalige Nichteidgenosse im sechsten Gang gegen Franz Schatt. Weil danach der Schlussgang zwischen Arnold Ehrensberger und Karl Meli gestellt endete, erbte Emch den Tagessieg. Trotzdem verfehlte Emch auch bei seinem zweiten Eidgenössischen 1977 in Basel den Kranz. «Ich hatte zuvor einen Unfall auskuriert und war zu wenig gut vorbereitet», erklärt er dazu.

Den fälligen Aufstieg zu den Eidgenossen bewerkstelligte er drei Jahre später in St. Gallen. Diesen Status bestätigte er sowohl 1983 in Langenthal wie 1986 in Sion. Allerdings gelang ihm nie ein Spitzenplatz, weil er vor allem am ersten Tag jeweils Nerven zeigte.

Exploit 1983
Nach dem Triumph am NOS-Fest 1976 gelang dem Solothurner Eidgenossen sieben Jahre später nochmals ein Aufsehen erregender Erfolg. Ueli Emch gewann am Baselstädtischen Schwingertag den Schlussgang gegen den damals fast unbesiegbaren Ernst Schläpfer. Die beiden pflegen bis heute ein gutes Verhältnis miteinander. «Ich habe als einer der wenigen Schwinger eine positive Bilanz gegen Ernst. Gegen ihn verlor ich nie.»

Unter Emchs 67 Kränzen befinden sich diverse Exemplare von Bergfesten. Einzig auf der Rigi holte der Kammersrohrer nie Eichenlaub. Seine Karriere beendete er mit dem Gewinn des Gedenkschwingets 1986 in Sempach. Eine Verletzung zu Saisonbeginn 1987 war das Zeichen zum Aufhören.

Kontakt zum Schwingen bleibt
Dem Schwingen blieb Ueli Emch zuerst als Kampfrichter und schliesslich auch zwei Jahre als Technischer Leiter im Solothurner Verband erhalten. Weil er in dieser Zeit den elterlichen Hof übernommen hatte, wechselten die Prioritäten. Bald begannen aber drei Söhne mit dem Sport im Sägemehl. Inzwischen haben auch diese ihre Karriere beendet. Vater Ueli Emch beobachtet den Schwingsport weiterhin und besucht jedes Jahr ein paar Schwingfeste in der Nähe.

Wolfgang Rytz

Redaktion

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