Senkrechtstarter ausgestattet mit Urkräften

Während der wegen dem Coronavirus schwingfreien Zeit werden auf www.schlussgang.ch regelmässig Porträts von Schwingergrössen aus der Vergangenheit aufgeschaltet. Heute ist Josef Hüsser an der Reihe. Sein Porträt erschien im Jahr 2014. Josef Hüsser erschwang sich 1969 in Biel den eidgenössischen Kranz, schwingend für den Schaffhauser Verband. Im gleichen Jahr zügelte er in den Oberaargau. Die grösste Leistung gelang den Hünen 1968 am Nordostschweizerischen in Glarus.
Oft kreuzten sich die Wege zwischen Josef Hüsser (rechts) und seinem «Lehrmeister» Karl Meli, wie hier in Balterswil. Besiegen konnte er ihn nie. (Fotoarchiv: Christian Mutzner/SCHLUSSGANG)

Aufgewachsen in Sassenloh, einem Weiler bei Steckborn, hatte Josef Hüsser einen vier Kilometer langen Schulweg vier Mal am Tag zu bewältigen. Das stärkte ihn! Hinzu kam die Arbeit auf dem elterlichen Betrieb unmittelbar nach den Kriegsjahren. Die ersten Schwingversuche ergaben sich während der Lehre als Landwirt auf dem Arenenberg im Thurgau. Mit Mitschülern wurde jeweils in der Pause «gerammelt». So wurde Förderer Ruedi Wanner auf den stämmigen Burschen aufmerksam und bewegte ihn dazu den Schwingkeller aufzusuchen. 1963 nahm er an den ersten Frühjahrsanlässen teil.

Ein ganz besonderer Sonntag war jener, als sich Josef Hüsser vom Thurgau aus mit einem 45er-Töffli auf den Weg nach Bäch in die Ausserschwyz machte. «Ich wurde auf diesen Anlass aufmerksam und fuhr alleine los. Nicht einmal meinen Eltern sagte ich etwas.» Mit drei Siegen glänzend gestartet, war von diesem Tag an die Karriere lanciert. Am Thurgauer Kantonalfest 1964 in Gachnang schaute der erste Kranz heraus. Dies berechtigte ihn zur Teilnahme am Nordostschweizerischen in Appenzell. Wieder kehrte der Thurgauer kranzgeschmückt heim. Nun schaute als Lohn sogar die Teilnahme am Eidgenössischen in Aarau heraus.

Kranz um 0,25 Zähler verpasst
In seiner zweiten Aktivsaison verpasste er das Eichenlaub nur um einen Viertelpunkt. Nach der zweiten erfolglosen Teilnahme 1966 in Frauenfeld klappte es im dritten Anlauf 1969 in Biel. Hüsser hatte mittlerweile berufsbedingt nach Schaffhausen gezügelt, für diesen Verband erkämpfte er das eidgenössische Eichenlaub. Mit drei Siegen und einem Unentschieden gegen Arnold Odermatt lief es am ersten Tag hervorragend. Am Sonntagmorgen stellte er den Luzerner Spitzenschwinger Hans Bühler. Gegen einen weiteren ganz Bösen, den Berner Fritz Uhlmann, setzte es die einzige Niederlage ab. Nachdem Hüsser gegen Werner Spring wieder zum Siegen zurückkehrte, konnte er sich zuletzt gegen Hans Zurfluh einen Gestellten leisten.

Wechsel ins Berner Lager
Noch im gleichen Jahr zügelte Hüsser berufsbedingt von Schaffhausen in den Kanton Bern. Ab der Saison 1970 schwang er für den Schwingklub Herzogenbuchsee. 1972 in La Chaux-de-Fonds bestritt Hüsser sechs Gänge. Ebenso wie 1974 in Schwyz. Ein Jahr später beendete der Kurz- und Bärendruck-Spezialist seine Laufbahn. Danach amtete er noch als Kampfrichter.

Einen seiner grössten Erfolge feierte der stämmige Turner 1968 am Nordostschweizerischen Schwingfest in Glarus. Es gelang ihm. den amtierenden Schwingerkönig Ruedi Hunsperger im dritten Gang zu bezwingen. Der Berner verpasste im Anschluss gar den Ausstich. Auch ein Stoos- und Berner Kantonalkranz  zieren seine Laufbahn.

Mithilfe in Langenthal
Heute verfolgt er das Schwingen sowohl im Kanton Bern als auch in der Nordostschweiz regelmässig vor Ort. In spezieller Erinnerung bleibt ihm das Eidgenössische 1983 in Langenthal. Mit seinen beiden Söhnen, die als Jungschwinger ebenfalls aktiv waren, half er seinem Schwingklub beim Auf- und Abbau tatkräftig mit.

Jakob Heer

Redaktion

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