Sternstunde am Eidgenössischen 1966 in Frauenfeld

Während der wegen dem Coronavirus schwingfreien Zeit werden auf www.schlussgang.ch regelmässig Porträts von Schwingergrössen aus der Vergangenheit aufgeschaltet. Heute ist der Zürcher Paul Hedinger an der Reihe. Sein Porträt erschien im Jahr 2013. Paul Hedinger kam über den Turnverein eher zufällig zum Schwingen. Er holte sich Kränze bei den Schwingern, Ringern und Nationalturnern.
Am Nordostschweizerischen Schwingfest 1976 in Uster duellierte sich Paul Hedinger (rechts) bei heissem Wetter mit Franz Inauen. (Fotoarchiv Christian Mutzner/SCHLUSSGANG)

Wegen seines robusten Körperbaus sagten sie ihm zwar schon in der Schule, «du wirst mal Schwinger», doch gepackt hat es ihn erst mit 17 Jahren. Über den Turnverein wurde er an ein Schwingfest delegiert und fand sofort den Spass am Nationalsport.

In seiner ersten Saison gewann er insgesamt sechs Nationalturn- und Ringerkränze. Beim Schwingen musste er sich deutlich länger gedulden. 1964 in Pfäfikon gewann er sein erstes Schwinger-Eichenlaub. Im gleichen Jahr durfte er am Eidgenössischen Schwingfest in Aarau teilnehmen. Dabei bestritt er sechs Gänge und stand am Samstag einem 18-jährigen Jüngling namens Ruedi Hunsperger gegenüber.

Dank der Hitze
Die absolute Sternstunde erlebte der Zürcher 1966 bei seinem zweiten Einsatz an einem Eidgenössischen. «Das heisse Wetter in Frauenfeld hat mir gut getan. Hitze und Kälte haben mir nie etwas ausgemacht», sagt Hedinger. Im Anschwingen traf er zweimal auf Hubert Inderbitzin. Es resultierte je ein Sieg und eine Niederlage. Zweimal der gleiche Gegner im Anschwingen, war damals normal. Im dritten Gang realisierte er seinen zweiten Erfolg über Albert Mühlestein. Gegen den Schwyzer Anton Steiner musste er am Samstag jedoch noch ein zweites mal als Verlierer vom Platz.

Am Sonntag lief es schliesslich wie am Schnürchen. Gegen Robert Gnos, Eugene Roggli und sichtlich überraschend auch über den Innerschweizer Karl Scheuber folgten drei Siege in Serie. Der Kranz war dem Albiser auf sicher. Zuletzt unterlag er um einen Spitzenrang dem Sumiswalder Paul Eggimann.

Pech in Biel
Die dritte Teilnahme an einem Eidgenössischen, jene 1969 in Biel, stand untern einem unglücklichen Stern. «Kurz vor dem Fest hatte ich einen Arbeitsunfall. Ich hätte eigentlich gar nicht starten sollen», blickt der Landwirt auf jenen Anlass zurück. Sichtlich handicapiert war nach vier Gängen Schluss. «Grundsätzlich war man jedes Mal froh, wenn man nach einem Wettkampf gesund heimkam. Die Kühe mussten ja auch noch gemolken werden.»

Während seiner Karriere erlebte er Hochs und Tiefs. Sein damaliger treuster Wegbegleiter war der spätere NOS-Präsident Armin Meier. «In den Sommerferien gingen wir auch manchmal nach Winterthur ins Training. Karl Meli war du dieser Zeit nicht nur im Kanton Zürich das grosse Aushängeschild, sondern National der Masstab.» Selber stand Hedinger ein halbes Dutzend Mal  Meli gegenüber. Grundsätzlich blickt er aber auf eine gelungene Karriere zurück. Einmal verdrehte er den Daumen, ansonsten blieben jedoch langwierige Verletzungen aus.

Vielseitig engagiert
Insgesamt zählt seine Sammlung 34 Schwinger-, Ringer- sowie Nationalturner-Kränze. Besonders sind neben den Schwinger-Auszeichnungen die beiden eidgenössischen Nationalturner-Kränze dabei. Da die Albis-Region an die Nordwest- und Innerschweiz angrenzt, hatte man auch mit den nahen Klubs der anderen Teilverbände immer eine gute Beziehung. «Anlässe wie den Zugerberg, Morgarten oder das Michaelskreuz-Schwinget habe ich immer gerne besucht.» Allerdings bekennt er auch: «Seit ich im Besitze des eidgenössischen Kranzes war, durfte ich nie mehr an einem Zuger Kantonalfest teilnehmen.»

Besonders hervor hebt er den Sieg am Morgarten-Schwinget über den Innerschweizer Spitzenschwinger Toni Steiner. «Gegen den verlor ich zuvor dreimal. Mit der gleichen Taktik wie er mich jeweils besiegte, konnte ich ihn schliesslich überlisten.»

1979 wurde der Gibel-Schwinget geboren, direkt neben seinem Hof, der oberhalb von Bonstetten mit einer wunderbaren Aussicht grüsst. Nachdem abwechslungsweise Frühjahrs- oder Herbstanlässe in der Region stattfanden, haben sich der Schwingklub, die Samariter und der Musikverein Stallikon 1976 zusammengesetzt und den Gibel –Schwinget im zweijährigen Turnus ins Leben gerufen. Paul schwang beim ersten Anlass selber noch mit und war später auch zehn Jahre OK-Präsident. Nach dem Rücktritt als aktiver war er fast zwei Jahre überhaupt an keinem Anlass der Schwinger mehr. «Turnverein, Ringen und Schwingen! Ich konnte nicht überall sein und zudem wartete daheim auf dem Hof noch reichlich Arbeit.»

Bis heute der einzige Eidgenosse
Heute besucht er, wenn möglich, alle Schwingfeste im Kanton Zürich sowie das Teilverbandsfest der Nordostschweizer. Allerdings ist es nicht nur der Schwingsport alleine, welcher ihn an die Wettkämpfe oder Versammlungen zieht, denn die Geselligkeit ist ihm ebenfalls wichtig. Hedinger ist zudem noch Veteranenobmann im Klub.

Paul Hedinger ist bis heute der einzige Eidgenosse im Schwingklub am Albis. «Im Klub und nicht im Bezirk», wie er betont, denn Kaminfeger Rolf Zimmermann aus Obfelden gehört geografisch auch zur Bezirk, schwang aber für die Zuger. Nicht so euphorisch wie andere ehemalige Schwingergrössen sieht er der Zukunft des Schwingens entgegen. «Das Geld und die Arroganz der Hauptsponsoren machen mir grosse Sorgen.»

Jakob Heer

Redaktion

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