Verletzungen verhinderten noch grössere Erfolge

Während der wegen dem Coronavirus schwingfreien Zeit werden auf www.schlussgang.ch regelmässig Porträts von Schwingergrössen aus der Vergangenheit aufgeschaltet. Heute ist der Solothurner Kurt Hagmann an der Reihe. Sein Porträt erschien im Jahr 2008. Ein eidgenössischer Kranzgewinn blieb Kurt Hagmann bei drei knapp gescheiterten Versuchen zwar versagt. Trotzdem war der Turnerschwinger Ende der 50er Jahre in der Nordwestschweiz ein Leistungsträger. Den grössten Erfolg seiner Laufbahn feierte Hagmann 1961 als Sieger des Nordwestschweizerischen Schwingfestes in Hägendorf. Äusserst erfolgreich war der Musterathlet auch im Nationalturnen.
24 Kränze ergatterte sich Kurt Hagmann während seiner aktiven Laufbahn. (Archivfoto Christian Mutzner)

Der Zugang zum Schwingen war für Kurt Hagmann mehr oder weniger vorprogrammiert. «Schon mein Vater und mein 13 Jahre älterer Bruder Walter übten diesen Sport aus», erinnert er sich. Auch das Trainingsgelände sei vorgegeben gewesen. Der Vater arbeitete als Schulhausabwart. So lag es auf der Hand, dass Lektionen im Turnen und Schwingen auf der Spielwiese stattfanden.

Mit seinen 90 Kilogramm verkörperte Kurt Hagmann ein Leichtgewicht unter den Schwingern. Im Nationalturnen, in dem die athletische Vielseitigkeit zum Tragen kam, konnte er sich deshalb besser profilieren. Dies kommt auch in der Kranzbilanz zum Ausdruck. 25 Auszeichnungen im Schwingen stehen  30 im Nationalturnen gegenüber. Unter diesen befinden sich auch drei von eidgenössischer Prägung.

Krönung im Schwingen fehlte
Es ist das erklärte Ziel eines jeden Schwingers, einen eidgenössischen Kranz zu erkämpfen. Kurt Hagmann blieb dies bei drei Teilnahmen an Eidgenössischen Schwingfesten versagt. «Es war wie verhext. Jedes Mal fehlte mir nach Niederlagen im letzten Gang entweder ein Viertel- oder ein halber Punkt dazu. 1956 in Thun hatte ich mich Ueli Schlumpf zu beugen, 1958 in Fribourg Karl Oberholzer und 1961 in Zug Edi Reinhard.»

Wer weiss, vielleicht hätte es 1964 in Aarau geklappt. Doch zu diesem Einsatz kam es nicht mehr. Eine langwierige Entzündung im rechten Ellenbogengelenk zwang den Solothurner zur vorzeitigen Aufgabe des Wettkampfsportes. Hagmann blickt zurück: «Anfänglich bekundete ich Mühe, mich mit dieser Situation abzufinden, weil das Eidgenössische in meinem Verbandsgebiet stattfand.» Hagmanns Erfolgshunger war mit 31 Jahren noch nicht gestillt.

NWS-Sieg als Trostpflaster
Sozusagen als Trost für den vorzeitigen Abgang von der Wettkampfbühne blieb dem heute noch sehr vitalen 75-jährigen Rentner der einzige Kranzfesterfolg am Nordwestschweizerischen 1961 in Hägendorf. Nach dem auf 20 (!) Minuten angesetzten gestellten Schlussgang zwischen Eugen Holzherr und Peter Nyffenegger ging Kurt Hagmann als lachender Dritter hervor. «Dies tat  meiner Freude über den Sieg keinen Abbruch», schwelgt er in Erinnerungen.

Positiv haften blieb dem Solothurner auch die gute Klassierung am Innerschweizerischen Schwingfest von 1959 in Entlebuch: «Ich wählte im Gabentempel als Preis ein von Theodor Schnider gespendetes Goldvreneli.» Der frühere Entlebucher Nationalrat war Anfang Mai auch einer der ersten Gratulanten beim runden Geburtstag. Dies wiederum dokumentiert die gute Kameradschaft unter Schwingern und Schwingerfreunden.

Gutes Umfeld
Kurt Hagmann, der 1954 an einem Solothurner Kantonalen den ersten seiner insgesamt 24 Schwingerkränze errang, besinnt sich gerne an die starke Besetzung zu seiner Aktivzeit zurück. Die Nordwestschweiz sei damals mit den beiden Schwingerkönigen Eugen Holzherr und Max Widmer sowie Franz Kilcher und Peter Nyffenegger an Spitzenschwingern gut bestückt gewesen. «Von Ihnen habe ich viel profitiert. Dass sie mir meist vor der Sonne standen, hat mir nichts ausgemacht.»

Grosse Verdienste
Kurt Hagmann lehnte sich nach Abschluss seiner aktiven Laufbahn nicht zurück. Im Gegenteil: Der Solothurner versah anspruchsvolle Funktionärschargen. Er begann als  Vorstandsmitglied in seinem  Schwingklub Olten-Gösgen. Später war er Technischer Leiter und Präsident des Solothurner Verbandes und schliesslich sogar Vorsitzender des Nordwestschweizerischen Verbandes. Zudem leistete er Pionierarbeit in der Kampfrichterschulung.

Zusammen mit seinem Freund Max Widmer zeichnete Hagmann 1973 trotz Skepsis des damaligen Obmannes Ernst Marti für den ersten Lehrfilm verantwortlich. Nur logisch, dass er sich in der Funktion als Stabschef «Festablauf» auch am Eidgenössischen 1992 in Olten stark engagierte.

Sein langes Wirken zugunsten des Schwingsportes wurde mit der Verleihung mehrerer Ehrenmitgliedschaften und 1997 mit dem Sportverdienstpreis des Kantons Solothurn honoriert. Noch heute verfolgt der grosse Förderer den Schwingsport mit Interesse.

Sorgen macht sich Kurt Hagmann heute vor allem um den Nachwuchs. «In diesem Bereich liegt vieles brach», warnt der Däniker.

Autor: Karl Duss

 

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