Vom Skifahrer zu einem Schwinger geworden

Während der wegen dem Coronavirus schwingfreien Zeit werden auf www.schlussgang.ch regelmässig Porträts von Schwingergrössen aus der Vergangenheit aufgeschaltet. Heute ist Ruedi Mösching, gebürtiger Berner Oberländer, schwingerisch für die Genfer im Einsatz, an der Reihe. Sein Porträt erschien im Jahr 2019. Der in Carouge wohnhafte Oberländer Ruedi Mösching kam erst im Alter von 22 Jahren zum Schwingen. Trotzdem war er über Jahre hinweg eine wichtige Stütze im Südwestschweizer Verband. Einzig der ESAF-Kranzgewinn blieb ihm verwehrt.
Südwestschweizer Schwingfest 1974 in Grand-Saconnex: Ruedi Mösching (hinten) und Ernest Schläfli im Schlussgang. (Foto: zvg)

Aufgewachsen ist Ruedi Mösching in Gstaad. Als seine Eltern 1958 nach Genf übersiedelten, blieb der kräftige Jüngling bei einem Onkel und beendete im Nobelkurort seine Schulzeit. «Meine Leidenschaft war in meiner Jugend das Skifahren. Noch heute bin ich Mitglied des Skiklubs Grund bei Gstaad und verfolge den Skiweltcup mit grossem Interesse.» Nach Schulaustritt zog es Ruedi Mösching ebenfalls in die Westschweiz und er arbeitete zwei Jahre als Gehilfe auf einem Bauernbetrieb im Waadtland. Mösching weilte jedoch jede freie Minute im Saanenland und fuhr, wann immer die Möglichkeit bestand, Skirennen.

Da der naturverbundene Berner Oberländer als Ausgleichstraining aktiv in einem Turnverein mitturnte, kam er zuerst mit dem Nationalturnen in Berührung. «Da ich nach den zwei Jahren im Waadtland ebenfalls nach Genf weiterzog, wurde das Training im Skiklub sehr schwierig und ich musste einsehen, dass eine Karriere als Skifahrer gänzlich unmöglich wurde.»

In Genf zum Schwingen animiert
Dass ein Berner Oberländer ausgerechnet in der schon damals internationalen bekannten Metropole Genf zum Schwingen gefunden hatte, ist eine Seltenheit. Da der kräftige junge Mann sich sportlich betätigen wollte, schloss er sich in Genf einem Turnverein an. Dort erkannten Albert Erst und Fritz Jaussi das Talent von Ruedi Mösching und bewogen ihn, ein Schwingtraining zu besuchen. Obschon Mösching erst mit 22 Jahren mit dem Nationalsport begann, konnte der Heimwehberner schon bald erste Erfolge verbuchen und das Schwingen wurde zu seiner Leidenschaft.

Ein glücklicher Zufall wollte es, dass zu dieser Zeit die beiden Spitzenschwinger Rudolf Hunsperger und Fritz Uhlmann einen dreimonatigen Sprachaufenthalt in Genf absolvierten. «Mit Hunsperger und Uhlmann hatte ich natürlich die besten Trainingspartner und sie weckten die Leidenschaft in mir noch zusätzlich. Zudem entstand eine Freundschaft, die wir pflegen. Darum ist mir das Schicksal von Hunsperger sehr nahe gegangen.»

Stolze Kranzbilanz
Zur Aktivzeit von Ruedi Mösching war das Gästekontingent noch nicht klar geregelt. So konnte Ruedi Mösching ausser an den eidgenössischen Anlässen nie ausserhalb der Südwestschweiz in Erscheinung treten.

An den Kantonalfesten klassierte sich der immer noch rüstige Rentner, ausser mit kleinen Ausnahmen, immer in den Kranzrängen. Dazu zeugen die vierzehn Teilverbandskränze aus der Südwestschweiz und drei Schwarzsee-Kränze ein klares Verdikt seiner Stärke.

Seine Siege konnte er meistens mit seinen Spezialschwüngen Kurz oder Übersprung realisieren. Dabei konnte er von seinen grossen Vorbildern Rudolf Hunsperger und Fritz Uhlmann viel profitieren. Leider konnte er sich an einem Eidgenössischen Schwingfest nie unter die Kranzgewinner reihen. Eine grosse Enttäuschung erlebte er in La Chaux-de-Fonds, als ihm zum ersehnten ESAF-Kranzgewinn wenig fehlte.

Schwingen ein Leben lang
Nach seinem Rücktritt vom aktiven Schwingsport hat sich Ruedi Mösching in administrativen Belangen stark eingesetzt. Vom Klub bis hinauf zum Teilverband hat er sich als Technischer Leiter und dadurch ebenfalls in der Einteilung betätigt. Während vierzehn Jahren war er Vertreter der Südwestschweiz bei der Eidgenössischen Hilfskasse. Seine grossen Verdienste haben ihm die Ehrenmitgliedschaften auf allen Stufen bis hinauf zum Eidgenössischen Ehrenmitglied gebracht.

Noch heute besucht Ruedi Mösching im Minimum zehn Schwingfeste pro Saison. Wenn es die Umstände erlauben, besucht der immer noch einen ausgeprägten Saanenländer Dialekt sprechende Genfer vier bis fünf Feste im Kanton Bern. «In meiner ehemaligen Heimat treffe ich viele Schwingerfreunde und ich freue mich immer riesig, mit meinen ehemaligen Kameraden zu diskutieren.»

Eine gesunde Einstellung besitzt Ruedi Mösching zur Entwicklung, die das Schwingen in den letzten Jahren durchgemacht hat. «Vom vielgepriesenen Schwingerboom ist im Kanton Genf nicht viel spürbar. Mit gewissen Neuerungen muss man leben, ich denke jedoch, dass es langsam zu weit geht. Solange die Schwinger nicht Profisportler werden und die Schwingarena ihren traditionellen, ursprünglichen Charakter behält, ist den Aktiven der zum Teil finanzielle Erfolg durchaus zu gönnen.»

Werner Frattini

Freier Mitarbeiter Text

Kommentare