Josef Bissig: Brünig-Sieg statt vorzeitiges Karrieren-Ende

Der Nidwaldner Josef Bissig gehörte nicht nur von seiner Körperlänge (1,91 Meter), sondern auch von seinem Können her in den Siebzigerjahren zu den festen Grössen in der Schwingszene. Die bedeutendsten seiner vielen Erfolge glückten dem Hünen 1979 mit den beiden Bergfestsiegen Brünig und Stoos.

 

In besonderer Erinnerung ist Josef Bissig natürlich sein Triumph am Brünig-Schwinget geblieben. «Dieses Kräftemessen vor vertrauter Kulisse zu gewinnen, war schon immer mein Traum.» Bis sich dieser erfüllte, sah er sich aber einer harten Geduldsprobe ausgesetzt. Nach wiederholten Anläufen liess sich sein Wunschsieg erst mit 33 Jahren verwirklichen. Bissig hatte sich 1979 ausschliesslich mit Bernern, Fritz Kammer, Rudolf Tschannen, Hansueli Fuhrer, Ma­­-t­hias Habegger, Hansueli Mühlethaler und im Schlussgang Johann Santschi, zu messen, die er mit Ausnahme von Fuhrer (Punkteteilung) alle besiegte. Die Entscheidung in der Endausmarchung gegen den mitfavorisierten Johann Santschi führte der zweifache Eidgenosse mit einem Kniestich, einer seiner Spezialitäten, herbei.
Auch seine Leistung beim im gleichen Jahr auf dem Stoos durfte sich sehen lassen. Der Startkampf gegen Res Rüfenacht entschied Bissig zu seinen Gunsten, gegen Niklaus Gasser resultierte eine Punkteteilung. Darauf liess er Siege gegen Josef Appert, Anton Fassbind, Alois Lüönd und im Schlussgang mittels Kurz über seinen Klubkameraden Norbert Stebler folgen. Als «Dessert» gewann der ausgesprochene Standschwinger zum Saisonabschluss auch noch den Allweg-Schwinget.
 
Viele Höhen und Tiefen
Josef Bissig lernte aber auch die Schattenseiten einer Sportler-Laufbahn kennen. Es gab Phasen, in denen er sich sogar mit einem vorzeitigen Rücktritt befasste. Dies war der Fall nach den verpassten Kranzgewinnen in der Saison 1979 am Ob- und Nidwaldner Kantonalschwingfest an seinem Wohnort Ennetbürgen und wenig später am Innerschweizerischen in Unterägeri. «Vor allem nach meinem Ausrutscher in Unterägeri war ich nahe dran aufzuhören, raffte mich aber nochmals auf.» Dem Umdenken war jedoch Erfolg beschieden. Zwei Wochen später holte der Spitzenschwinger auf dem Brünig zum grössten Coup in seiner Karriere aus. Der Brünig-Schwinget war ohnehin sein Fest. Neun seiner 56 Kränze realisierte er bei insgesamt zwölf Teilnahmen an diesem prestigeträchtigen Bergfestklassiker, an dem er 1971 mit der Schlussgangqualifikation gegen Rudolf Hunsperger einen weiteren Teilerfolg verbuchte.
 
Verschiedentlich Pech
Neben den beiden Bergfesten Brünig und Stoos gewann Bissig zwei weitere Kranzfeste: 1973 das Urner und 1975 das Ob- und Nidwaldner Kantonale. Erwähnenswert sind auch die Spitzenklassierung (3b) am Murten-Gedenkschwinget und die beiden an den Eidgenössischen Schwingfesten von 1972 in La Chaux-de-Fonds und 1974 in Schwyz erkämpften Kränze. Ein drittes Eichenlaub von eidgenössischer Prägung verpasste er drei Jahre später in Basel knapp. «Ich scheiterte an Res Rüfenacht, den ich vor und nachher immer unter die Verlierer reihte. Dies wurmte mich umso mehr, als damals meine fünf Klubkollegen Jost Gabriel, Franz Käslin, Hans Kopp und die Gebrüder Franz und Norbert Stebler unter den Kranzgewinnern figurierten.»
Ohne Krankheiten und Verletzungen, die ihn stets in den dümmsten Momenten heimsuchten, hätte Josef Bissigs Erfolgsbilanz womöglich noch besser ausgesehen.
 
Weitere Karrieren
Josef Bissig ist einer jener früheren Schwinger, die sich nach Beendigung der Laufbahn nicht zurück­lehnten. Im Innerschweizer Verband bekleidete er einige Jahre das anspruchsvolle Amt des Technischen Leiters und präsidierte anschliessend auch noch die Schwingersektion Nidwalden. Beruflich ist Bissig als Gruppenleiter im Bereich Logistik bei der Brauerei Eichhof in Luzern tätig.
Den Schwingsport verfolgt der leidenschaftliche Hasenzüchter nach wie vor, sei es als Zuschauer oder über die Medien. «Seit meiner Aktivzeit hat sich Einiges verändert. Es wird anders und intensiver trainiert. Auch stellen sich mehr gestellte Gänge ein.» Recht kritisch beurteilt Bissig die Einteilung an Festen. « Die Gäste sollten viel mehr als solche behandelt werden.»

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