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Ernest Schläfli: Einer der besten Südwestschweizer aller Zeiten

Erst mit 19 Jahren kam der Südwestschweizer Ernest Schläfli zum Schwingsport. Der sechsfache Schwarzsee-Sieger ist auch dank seinen beiden Söhnen noch heute intensiv mit dem Schwingsport verbunden. Engagiert hat er sich vor allem auch 2012, als es um die Kandidatur von Estavayer für das Eidgenössische Schwingfest 2016 ging. Dies mit Erfolg, denn Estavayer bekam den Zuschlag.

 

Ernst Schläfli darf heute noch mit ruhigem Gewissen als ein Vorbild im Südwestschweizerischen Schwingerverband genannt werden. Allein seine 60 Kranzfestsiege sprechen eine eigene Sprache. In seinem Verbandsgebiet hat er mit 10 Siegen am Südwestschweizerischen, 6 Schwarzsee-Siegen und 13 Siegen am Freiburger Kantonalfest gleich reihenweise Schwingfeste gewonnen. Der Unspunnen-Sieg, zwei Siege am Innerschweizer Verbandsfest, ein Brünig-Sieg und der erste Rang am Nordwestschweizerischen zeugen von seiner Durchschlagskraft.
 
Der Spätzünder
Dass der zweisprachige Freiburger seine Karriere erst als 19-Jähriger startete, macht seine grossen Erfolge noch erstaunlicher. «Mein Grossvater, mein Vater und meine Onkel haben alle geschwungen. Während und nach der Schulzeit war mir der Fussball aber viel wichtiger. Obschon alle mich fürs Schwingen motivieren wollten, hatte ich eigentlich kein grosses Interesse daran. Zudem habe ich mir bei meinem ersten Trainingsbesuch im Schwingkeller gleich die Schulter ausgerenkt und wollte die Schwingerei gleich wieder an den Nagel hängen. Dass es doch noch einen Schwinger aus mir gegeben hat, daran ist der damalige Präsident des Schwingklubs Freiburg schuld.» Sein Vorbild Rudolf Hunsperger war zugleich auch sein grosser Förderer. «Ich habe jede Woche einmal in Bern trainiert. Dabei habe ich von Rüedu unheimlich viel profitieren können. An dieser Stelle möchte ich den Schwingern vom Berner Verband herzlich danken. Von den Aktiven bis hinauf zur Verbandsspitze wurde ich immer von allen mit offenen Armen empfangen und gefördert. Dies war für mich als Freiburger durch nichts aufzuwerten.»
 
Beruflich wie schwingerisch aktiv
Ernst ist aus Leidenschaft Landwirt. Zusammen mit seinen beiden Söhnen Ruedi und Fredy hat er alle Tage 60 Kühe zu versorgen. Er setzt seine ganze Kraft zum Wohle der Landwirtschaft ein. So ist er Präsident der schweizerischen Freiberger Pferdezucht. Das Saatrecht und die Folgen daraus liegen ihm sehr am Herzen, zudem sitzt er im Verwaltungsrat der Cremo Freiburg. Über Jahre hinweg war Ernst Präsident des Schwingklubs Freiburg und Umgebung. 10 Jahre war er OK-Präsident des Schwarzsee-Schwingets, wo er nach seinem Rücktritt immer noch tatkräftig im OK mitarbeitet. Dadurch ist Ernst immer noch sehr nahe am schwingerischen Geschehen mit dabei. Leider sind seine beiden Söhne durch Unfallfolgen im Moment ausser Gefecht. Der vielbeschäftigte Romand ist überzeugt davon, dass sich das Schwingen seitens der Aktiven eher wieder im Aufwind befindet. «Ich habe ein gutes Gefühl, dass sich vermehrt wieder Knaben fürs Schwingen interessieren. Es bedarf aber dem Einsatz jedes Einzelnen, den Jungen das Schwingen schmackhaft zu machen. Durch das Schwingen habe ich sehr viele Kontakte knüpfen können, die mir in der beruflichen Laufbahn sehr genutzt haben.» Mit der Meinung, dass heute technisch vielseitiger geschwungen würde, hat Ernst grosse Mühe. Durch das intensive Krafttraining ist das Ganze eher statischer geworden. Etliche Schwünge sind in den letzten Jahren fast gänzlich verschwunden. Der Arbeit im Schwingkeller und dem Schulschwingen sollte unbedingt wieder mehr Beachtung geschenkt werden. Der Seriensieger hat zu seiner Aktivzeit pro Woche zweimal in Freiburg und einmal in Bern im Schwingkeller trainiert. Mit Waldläufen hat er seine Kondition verbessert. Sehr wichtig war für ihn die Ruhezeit; so versuchte er vor den Schwingfesten immer 9 bis 10 Stunden zu schlafen.
 
Tradition halten
«Wir sollten zu versuchen, den ursprünglichen Charakter unserer Schwingfeste beizubehalten. Natürlich dürfen wir einer gewissen Modernisierung nicht im Wege stehen, aber ein junger Bursche sollte seinen Lebensunterhalt ohne Schwingerpreise bestreiten können.» Der Wandel, den man bei den Gaben in den letzten Jahren bemerkt hat, ist nicht zu verurteilen. Wichtig ist, dass die Werte nicht ins Unermessliche steigen. «Wenn es uns gelingt, eine gesunde Mischung zwischen Tradition und Gegenwart zu finden, hat das Schwingen eine grosse Zukunft vor sich.»

 

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